Symptome psychisch deuten

Was würden unsere Symptome sagen, wenn sie wie in der Therapie sprechen könnten?

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Wiederkehrende Alltagsprobleme, destruktive Verhaltensweisen und (Körper-)Symptome sind manchmal ein guter Spiegel unseres Innenlebens. Wenn wir uns fragen: Was will mir das Symptom sagen?, bekommen wir häufig überraschende Antworten.

Aus meiner Arbeitspraxis mit der Selbstbegegnung habe ich beispielhaft sieben Symptome aufgegriffen: Was würden sie sagen, wenn sie wie in der Aufstellungsarbeit oder anderen Coaching- und Therapiemethoden sprechen könnten?

Wenn unsere Symptome sprechen könnten

Gesellschaftlich inakzeptables Verhalten

Der Diebstahl würde jammern: „Ich will doch nur von der Mama gesehen werden! Ich will, dass sie mich liebt, ich brauche Anerkennung! Ich muss das jetzt nun mal kompensieren und es geht mir selbst nicht gut damit. Aber besser Strafen als gar keine Aufmerksamkeit… [weint]“

Gewalt

Die Polizeigewalt würde erwidern: „Sorry, aber ich muss die heulenden Anteile in mir unterdrücken, deshalb werde ich dich jetzt grob und demütigend dazu bringen, die Schnauze zu halten. Das habe ich von meinem gewalttätigen Papa gelernt. Ich muss es unterdrücken — IN MIR, damit der Papa nicht wieder zuschlägt, und IN DIR, damit meine kleinen inneren Heulsusen sich nicht von dem Gejammer anstecken lassen. Das halte nämlich nicht aus!“

Stoffgebundene Sucht

Die Alkoholsucht würde sagen: „Alle beschimpfen mich! Alle blicken geringschätzig auf mich herab! Also entschuldigt mal bitte, aber ich kann meinen Kumpel doch nicht alleine lassen! Ihn quälen unerträgliche innere Schmerzen, eine extreme Sehnsucht nach fürsorglicher Geborgenheit, die er nie hatte! Solche frühen Wunden heilen nicht von allein, was denkt ihr denn? Unerfüllte frühe Bedürfnisse bleiben immer. Und nun ja – ich bin sein bester Freund. Soll ich ihn etwa einfach im Regen stehen lassen?? Das würdet ihr doch auch nicht tun! Man hat doch ein Herz! Also bitte.“

Weitere Süchte

Die Shoppingsucht würde superschnell quasseln: „Tss-tss-tss, jetzt aber bloß keine Ruhe, nur keine Lücke, jaaaa kein Kontakt zu mir selbst, stoppstoppstopp, ich brauche DRINGENDDRINGENDDRINGEND etwas Neues, etwas Hübsches, etwas, das mich ablenkt und tröstet und erfreut, zackig-zackig, nun aber los! Dort glitzert was! Da glänzt es! Dort, das habe ich bei der Nachbarin gesehen! Ich KANN und WILL nicht zur Ruhe kommen, ich brauche ganz viele Trostpflaster, gegen etwas, das ich selbst nicht fassen kann, gegen eine irre innere Unruhe, ein Beben, eine Unsicherheit, die ganz ganz alt ist. Uärh, wie gruselig. Nein! Gar nicht dran denken. Da, das Schaufenster!! Wenn ich hier fertig bin, hält das Glück nicht lange an, aber ich treffe mich mit meiner Freundin, dem Putzfimmel – die hält mich auch so schön auf Trab!“

Emotionale Blockaden oder körperliche Taubheit

Die Taubheit würde flüstern: „Nur nicht fühlen, nur nicht fühlen, nein. Immer schön abschalten, mich in Watte packen. Da drunter sitzt ein Ungetüm von Schmerz: Gaaanz ganz alt ist der. Und er gehört auch nicht mal mir. Aber ich trage ihn, wie vor mir meine Mutter und ihre Mutter und deren Mutter seit dem Krieg. Neinneinnein, nur immer schön abstellen – das Fühlen, die Wahrnehmung, die Welt. Hauptsache in Nebel hüllen – der schützt und birgt und tröstet. Zwar versperrt er mir die Sicht auf das Schöne in der Welt, aber immerhin zerreißt mich nicht das Grauen…“

Übertriebene, nicht zu steuernde Gefühle

Die übertriebene Wut würde erklären: „Ich bin eigentlich noch klein und ganz allein… Ich bin unsicher und angespannt. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Ob ich hier im Gitterbettchen jetzt acht Stunden einsam mit meiner Angst sein muss oder ob gleich jemand reinkommt, der schimpft und demütigt. Nur ist es so: Ich kann mit der Unsicherheit und der Spannung ja heute nicht meinen Alltag stemmen! Also habe ich mir etwas ganz Schlaues überlegt! Ich habe mir einen harten Mantel aus Wut drübergestreift. Die schützt mich, die wärmt. Ich geb sie nicht her.“

Körperliche Schmerzen

Der Rückenschmerz würde wimmern: „Ich trage so viel, ich trage so viel Last. Ich kann nicht mehr! Bitte Pause! Bitte nimm mir was ab! Ich hab noch immer das Gefühl, ich wäre an der Depression meiner Mama schuld! Ich trage die Schuld wie einen Grabstein auf dem Rücken. Ich zerberste bald darunter! Mir hat noch keiner gesagt, dass ich nie etwas dafürkonnte – schon gar nicht als kleines Kind…“

Spüren wir genauer nach

Symptome, egal welcher Art, kann man verteufeln. Man kann sie aber auch als wertvollen Hinweis annehmen. Sie wollen uns oft etwas Wichtiges sagen, das wir ohne Schmerzen, Konflikte oder Hindernisse nie wahrgenommen hätten.

Hören wir genauer hin.

Auch bei unseren Kindern ♥

Warme Grüße

Anne

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Ich bin Anne, leidenschaftliche Schreiberin und immerfort lernende Mutter zweier Kinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich seit 2019 für friedvoll-authentische Elternschaft ein und kläre über Entwicklungstrauma auf. ♥

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