Hilfe, mein Kind triggert mich!

Was kann ich tun, wenn ich von meinem Kind getriggert werde?

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Das Baby weint untröstlich, der Vierjährige rastet komplett aus, die Kleine tritt in deinen Bauch – ALLES kann den einen entspannt lassen, jemand anderes aber schlagartig zum Hochkochen bringen. Der Unterschied? Ein Traumatrigger. Was ist ein Trigger eigentlich? Was passiert in dem Moment in unserer Psyche und im Körper? Und wie können wir damit umgehen, wenn unser liebster Schatz, unser Kind, uns triggert?

Was ist ein Trigger?

Ein Trigger ist ein auslösender Reiz, der alte Traumagefühle an die Oberfläche holt. Traumagefühle sind z.B. Ohnmacht, Ausgeliefertsein, Todesangst, blanke Verzweiflung, gefühltes „Schwimmen/ Untergehen“, extremer Ekel. Wenn ein Baby oder kleines Kind von solchen überwältigenden Gefühlen überschwemmt wird, kann es mit seinem unreifen Nervensystem allein nichts davon halten, verarbeiten oder regulieren und es findet ein lebensrettender Mechanismus statt: Spaltung. Wir sondern den Anteil in uns ab, der diese schrecklichen Gefühle, unbequeme Wahrheiten oder unerträgliche Erinnerungen mitbringt.

Integrieren wir diesen kleinen Anteil nicht, verschwindet er allerdings nicht von selbst. Er bleibt unreif stecken in Einsamkeit, Schmerz, Hass oder Hilflosigkeit.

Kommt nun der Trigger (auslösender Reiz) daher und erinnert den kleinen Anteil an sein früheres Erlebnis, fühlen wir an der Oberfläche NICHT einfach das angemessene Gefühl zur Situation und können auch NICHT mehr reif reagieren. Sondern wir fühlen die unerträglichen Gefühle von damals, als wir vielleicht als 2 Monate altes Baby acht Stunden alleine im Kinderbettchen überstehen mussten.

Dieser Auslöser kann alles Mögliche sein: Der Anblick eines bestimmten Menschen, ein lautes Geräusch, ein bestimmter Geruch oder ein bestimmtes Verhalten.

Drei Beispiele:

  • Ein Kind, das seine Eltern gerne mal überhört, triggert beim Vater vielleicht das unerträgliche Nicht-Wahrgenommen-Werden seiner frühen Kindheit.
  • Ein Kind, das laut seinen Schmerz hinausschreit, erinnert die Mutter vielleicht daran, dass sie als Kind ihre Gefühle unterdrücken musste und nicht rauslassen durfte.
  • Ein autonomes, „ungehorsames“, trödelndes Kind, das die Eltern zur Verzweiflung bringt, löst womöglich bei der Mutter eine Art Panik aus, die eigentlich den frühen Ohnmachtsgefühlen ihren Eltern gegenüber entspringt.

Was im Elternleben dann oft noch on top kommt: Über das eigentliche Traumagefühl, das unser System unbedingt vermeiden will, legt sich ersatzweise WUT/ AGGRESION/ HASS. Das ist oft der Grund für unangemessenes Ausrasten. Aber welcher alte Schmerz oder welches Ohnmachtsgefühl liegt eigentlich tief darunter?

Lies hier mehr über elterliche Wut.

Für einen Elternteil null problemo ist, bringt den anderen ins Schwitzen. Da könnte man von außen leicht urteilen, oder? ABER wir stecken nicht im Gegenüber drin und wir fühlen nicht, was das Gegenüber fühlt.

Deshalb tschüss Werturteile! Und Hallo Triggerbewusstsein!

Jetzt ist nur die entscheidende Frage:

Was kann ich tun, wenn ich von meinem Kind getriggert werde?

Viele Eltern kennen ihre Trigger. Einige kennen vom Kopf her sogar die Hintergründe. Wenn eine frühe Verletzung, ein altes Trauma aber noch nicht körperlich-emotional integriert sind, bleibt der Trigger TROTZDEM bestehen. Auch hier gilt: Vom Kopf her lösen wir einen Trigger NICHT auf. Wir können ihn aber bewusstmachen und clevere Strategien im Umgang damit finden.

Übrigens: Einmal bis zehn zählen und dabei tief atmen, wird in den meisten Fällen so rein GAR NICHTS bringen. (Das funktioniert nur, wenn unser inneres Gesamtsystem und unsere Umwelt recht stabil sind ODER wenn es sich gar nicht um einen Traumatrigger handelt, sondern wir eigentlich „nur“ gestresst und überfordert sind.)

Mein persönlicher Herzenstipp ist wie immer: das emotionale Kellergeschoss wirklich AUFRÄUMEN, also mit professioneller Begleitung den Ursprung des Triggers finden und emotional integrieren.

Lies dazu auch:

Hier ein vier Inspirationen zum Umgang mit Triggern:

1. Perfektionismus ablegen

Wir können nicht alles perfekt machen als Eltern – die Vorstellung von perfekten Eltern ist absurd. Verstanden?? A B S U R D ! Wir haben ALLE unsere Ausrutscher, wir machen ALLE Fehler. Es kommt auf das Gesamtkunstwerk an, nicht auf den einzelnen Pinselstrich. Sich damit abzufinden, nimmt Druck raus und sorgt für mehr Entspannung im Gesamtsystem.

2. Den Grundstress möglichst niedrig halten

Wenn wir unter Zeitdruck stehen, Besuch haben, schlecht schlafen etc., dann liegen unsere Nerven blank. Ist dir aufgefallen, dass du umso mehr getriggert wirst, je lower die Akkus sind? Frag dich: Wo kannst du überschüssige Aufgaben über Bord werfen? Wo darfst du dir dein Leben leichter machen? Wo kann gute Organisation Abhilfe schaffen? Wo darfst du mehr Unterstützung zulassen?

3. Triggerbewusstsein schaffen

Achte im Alltag mal bewusst darauf, wann du unangemessen heftig reagierst. Wann/ wo kommen überwältigende Gefühle hoch? Beobachte genau und versuche wertfrei und selbstmitfühlend zu reflektieren, was der Ursprung sein könnte. Mach dir klar: Der Trigger gehört zu DIR und NICHT zu deinem Kind. Dein Kind war nur der AUSLÖSER. Deine Gefühle gehören DIR, also widme dich wertfrei und liebevoll DIR SELBST.

Ein Trigger ist ein Geschenk: Er ist der Anzeiger dafür, dass du im Inneren noch etwas Altes bearbeiten darfst – wie ein Wegweiser der Selbstfürsorge.

4. In den Körper kommen

Kindliche Traumagefühle will unser System deshalb vermeiden, weil es „von früher“ noch glaubt, es würde zerbersten, wenn es sie zulässt. Im Triggerfall geschieht deshalb etwas blitzschnell und unbewusst: Wir kippen aus Kontakt mit uns selbst und gehen raus aus dem Körper. Im Moment der Überforderung verlieren wir nicht nur die Verbindung zu uns selbst, sondern damit auch die zum Kind. Zack! Brüllen und schimpfen wir unverhältnismäßig los!

Ist der Moment gerade günstig, versuch im Reizmoment die bewusste Entscheidung zu treffen, jetzt IN DIR zu bleiben und NIMM WERTFREI WAHR, was da ist:

Wie fühlt sich der Körper an? Wo sitzt Spannung? Wo steigt Hitze auf? Was fühlst du? Ohnmacht? Dann nimm sie WAHR. Verzweiflung? Angst? Das Gefühl, abgelehnt zu werden? Okay! Und wo spürst du diese Emotionen? Im Bauch? Als Kloß im Hals? Als Spannung in der Stirn?

Diese Übung ist wie ein kleiner Bodyscan. Er schafft SELBSTANBINDUNG. Vielleicht kommen dann Tränen, vielleicht kommt dann wirklich ein tiefer Atem, aber vor allem bist du dabei mitfühlend und liebevoll in Kontakt mit dir selbst. Und das ist das beste Mittel gegen Trigger. ♥

Achtung:

Wenn dein Gesamtsystem traumabedingt stark in Schieflage ist oder die aufkommenden Gefühle komplett überwältigend sind, sei FREUNDLICH MIT DIR SELBST und verurteile dich NICHT für das scheinbare „Scheitern“ – denn es ist KEIN Scheitern. Sondern nimm professionelle Hilfe in Anspruch. Deinem Kind und dir selbst zuliebe.

Triggerfreie Grüße

Anne

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Ich bin Anne, leidenschaftliche Schreiberin und immerfort lernende Mutter zweier Kinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich seit 2019 für friedvoll-authentische Elternschaft ein und kläre über Entwicklungstrauma auf. ♥

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