Was tun, wenn Schwiegermutter die Kinder anders erziehen will?

Beziehungsorientierte Familie: Was tun, wenn Mitmenschen mein Kind anders behandeln, als ich das gern hätte?

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Du wertschätzt dein Kind, ohne es zu bewerten. Du definierst eigene Grenzen, ohne dein Kind schlechtzumachen. Du begleitest es liebevoll bei großen Gefühlen. Du respektierst es als vollwertigen Menschen, seit es geboren ist. Aus Überzeugung.

Aber die Uroma sagt: „Ach, das macht mich aber ganz traurig, wenn ich kein Kussi bekomme! Das ist gar nicht lieb von dir.“ Die Schwiegermutter sagt: „Wenn du jetzt nicht aufräumst, dann gibt es zum Nachtisch kein Eis!“ Die Nachbarin sagt: „Ein echter Junge weint nicht! Ist doch gar nichts passiert.“

Dein Kind ist manipulativem Lob ausgesetzt, es wird emotional erpresst, seine Gefühle werden geleugnet – und dir stinkt das zum Himmel?

Wie können wir damit umgehen? Wie können wir reagieren, wenn Mitmenschen unserem Kind anders begegnen, als wir uns das wünschen?

Schauen wir uns in diesem Artikel an:

  • Wie unsere Vergangenheit darüber bestimmt, wie wir heute handeln und reagieren
  • Wie wir Menschen begegnen können, deren Werte wir nicht teilen
  • Wie unsere Kinder Resilienz entwickeln, die sie vor Demütigung und Schmerz schützt

Ein jeder sein Päckchen hat zu tragen …

Alle Tanten, die Oma, der Erzieher: Sie sind durch ihre eigene Erziehung geprägt. In aller Regel haben sie ihre Vergangenheit nicht annähernd aufgearbeitet. Mehr dazu in: Hitler im Herzen – Erziehung und Trauma.

Deine Schwiegermutter kann vielleicht einfach nicht aus ihrer Haut. Was weißt du von ihrer Vergangenheit? Wurde ihr mit Liebe und Wertschätzung begegnet?

Oder die „Späße“, die sich dein Onkel mit deinem Kind erlaubt – die dein Kind aber beängstigend findet. Wie wurde er als Kind behandelt? Warum glaubt er, dass er das Herz eines Kindes mit strengem Blick und lauten Grunzgeräuschen gewinnen könnte?

Und deine Schwägerin – sie belastet dein Kind mit Scherzen über sein Geschlecht, beballert es mit Klischees. Wie hat sie ihre Geschlechterrolle als Kind vermittelt bekommen? Wurde sie benachteiligt? Was für ein Verhältnis hat sie zu ihrer Weiblichkeit und zu Männern?

Und dein Nachbar, der dich dafür kritisiert, dass du dein Kind nach jedem Stolpern tröstest. Er wirft dir vor, du verwöhnst und verweichlichst dein Kind. Wurde er als Kind in den Arm genommen? Was für Befürchtungen und Ängste hat er, die er auf dich projiziert? Warum nimmt er solche Szenen auf der Straße persönlich?

Kennst du die Hintergründe?

Du weißt das alles wahrscheinlich nicht. Jeder Mensch handelt aus seiner Erfahrung heraus und von seinen Werten aus.

Die einen triggert bedürfnisorientierte Erziehung, Kuscheln und liebevolles Miteinander, weil es sie schmerzlich an ihre eigenen emotionalen Defizite erinnert. Wer selbst aufgrund von Einsamkeit, mangelnder Liebe und fehlender Zärtlichkeit ein Entwicklungstrauma hat, kann regelrecht aggressiv darauf reagieren, wenn eine Mutter ihr Kind „zu lange“ stillt.

Die anderen haben alte Erziehungsvorstellungen im Kopf. Ihre Ängste beziehen sich auf die Zukunft: Wenn du ihn jetzt so verweichlichst, wird dir das später teuer zu stehen kommen! Das ist dann einfach Unwissenheit. Aber Angst ist mächtig. Und Unwissen hält sich hartnäckig.

Ich weiß es besser!

Du verlangst natürlich vordergründig Toleranz von ihnen. Vielleicht denkst du dir: Es geht sie nichts an, wie lange ich stille, wie lange ich einschlafbegleite und wie ich ihre Gefühle regulieren helfe! Was mischen sie sich überhaupt ein? Sie sollen es tolerieren und nicht gut finden. Unsere Sache!

Aber erstens meinen es tatsächlich die allermeisten Menschen gut. Sie wissen nicht, was sie mit bestimmten Äußerungen anrichten. Und zweitens wissen sie mitunter nicht, dass ihre Befürchtungen und Hypothesen über die Entwicklung von Kindern schon seit Jahren in der Forschung widerlegt sind.

Mehr Toleranz bitte

Wie wäre es, wenn du, statt dich zu ärgern, einfach den ersten Schritt gehst?

Seien wir mal mutig! Das lateinische Wort tolerare heißt „ertragen“. Es heißt nicht „gut finden“. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn wir aufhören, in den Kategorien richtig oder falsch zu denken, sondern die Ansichten und Methoden unserer Mitmenschen einfach zu „ertragen“, dann tun wir nicht nur etwas für die Beziehung zu unserem Kind (indem wir die Stirn lockern und die Schultern nicht mehr anspannen, wenn ein blöder Spruch kommt). Sondern wir verbessern auch unsere Beziehung zum Nachbarn, zur Schwiegermutter und zum Onkel. Wir „ertragen“, dass sie anders denken.

Die Zeiten ändern sich

Die Generationsfrage ist hier ganz entscheidend: Zur Zeit als unsere (Schwieger-)Eltern und Großeltern ihre Kinder aufgezogen haben, galten andere Regeln. Es herrschte Konsens darüber, was gut und was schlecht für Kinder ist. Und auch die Welt, in der sie lebten, war eine völlig andere. Gehorsam und die Unterdrückung des Individuellen war in manchen Zeiten der Menschheitsgeschichte förderlich für das Überleben. Aber die Zukunft, in die wir unsere Kinder schicken, hat mit der Realität unserer Großeltern kaum noch etwas gemeinsam.

Es ist also logisch, dass wir unsere Kinder anders begleiten als „früher“, weil unsere Realität eine andere ist als „früher“.

Vielleicht hilft es dir, toleranter zu sein, wenn du dir bewusst machst, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat, das seine Persönlichkeit formt und sein Handeln rechtfertigt. Und dass sich über Generationsgrenzen hinweg schlecht streiten lässt. Höchstens offen und vorurteilsfrei in Dialog treten. Das geht immer. ♥

Warum belastet es dich überhaupt…

… wenn deine Eltern, die Erzieher, eine Tante grob, manipulativ, erpresserisch, erzieherisch mit deinem Kind umgehen?

Hier eine provokante Hypothese: Das Verhalten Anderer gegenüber deinem Kind triggert deine alten Verletzungen und Demütigungen. Könnte das sein? Spür in der nächsten Situation mal nach.

Für dein Kind ist sie vielleicht halb so dramatisch. Haben deine Sorgen also mehr mit deiner Vergangenheit zu tun als mit der Gegenwart deines Kindes?

Wenn dein Großvater das nächste Mal deinem weinenden Kind vorwirft, es simuliere, es sei nichts geschehen und jetzt endlich Ruhe mit der Heulerei!, dann tritt einen Schritt zurück und fühl mal: Tut es dir vielleicht weh? Spürst du, wie du als Kind deine Tränen herunterschlucken musstest, obwohl dir der Schreck in den Gliedern saß?

Ich kann damit falsch liegen. Beantworte es dir selbst.

Erfahre mehr über das Thema Entwicklungstrauma in meinem Beitrag: Wie Erziehung dich und dein Kind traumatisiert.

Kinder sind flexibel

Vielleicht hast du festgestellt, dass dein Kind sich bei der Oma oft „artiger“ verhält als bei dir? Lass dir sagen: Das bedeutet nicht, du erziehst falsch. Das bedeutet nicht, die Oma ist zu streng oder falsch. Dein Kind passt sich schlichtweg in dem Moment an ein anderes Konzept an. Kinder finden sich problemlos in zwei verschiedenen Galaxien zurecht. Sie sind gemeinhin flexibler als wir annehmen.

Wie wäre, es die Vielfalt als Geschenk zu betrachten?

Wenn dein Kind im Kindergarten oder bei seinen Großeltern anderen Regeln unterliegt, erweitert es seinen Horizont: Es lernt verschiedene Konzepte von Menschlichkeit, von Respekt und von Miteinander kennen. Eine Stillberaterin hat mir mal gesagt: Wenn ein Kind zwei Konzepte kennt, wird es sich immer am menschlicheren orientieren.

Ja. Es ist doof von deinem Nachbarn zu sagen: „Ist doch nichts passiert, heul nicht!“, wenn dein Kind vom Laufrad gestürzt ist.

Aber dein Kind tangiert das im Großen und Ganzen wenig. Denn deine Reaktion darauf ist entscheidend. Du prägst dein Kind in den wichtigsten ersten Lebensjahren. Die Eltern sind die Bezugspersonen Nummer eins. Dann kommt eine ganze Weile nichts, dann die Geschwister und dann alle anderen Personen der Welt.

Und die kommen. Früher oder später. Ob wir es wollen oder nicht. Wir können unsere Kinder nicht vor der Welt beschützen.

Vertrauen

Vertraue deinem Kind, dass es eine gewisse Resilienz in sich trägt.

Vertraue deinem Kind, dass es sein Selbstbild nicht aus den Reaktionen, Sprüchen und Blicken der „Anderen“, sondern von seinen wichtigsten Bezugspersonen zieht.

Vertraue darauf, dass dein Kind sich in jedem Moment seines Lebens – wie du selbst – bemüht, zur besten Version seiner selbst zu werden.

Vertraue deinem Kind, das es verschiedene Welten erleben und erfahren kann, ohne „abzurutschen“, „Schaden“ zu nehmen und „schlecht beeinflusst“ zu werden.

Denk mal darüber nach, warum du bist, wie du bist. Gerade die „schlechten“ Vorbilder bringen uns vorwärts. Wir grenzen uns ab. So wie Tante Erika will ich niemals werden!, denken wir als Kinder und Jugendliche. Und das prägt uns im positiven Sinne. Dein Kind wird Hässliches und Unmenschliches erfahren. Und es wird auch daran wachsen.

Respekt

Wenn du diesen Text liest, heißt das sehr wahrscheinlich, dass du viel reflektierst und dir Gedanken um die Begleitung und das Aufwachsen deines Kindes machst.

Finde ich großartig!

Aber seien wir ehrlich: Selbst unsereins fällt es oft schwer, einen Erziehungsweg zu finden, der unseren Idealen entspricht. Oft fallen wir unbewusst in destruktive Handlungsmuster zurück, die durch unsere Sozialisation entstanden sind. Wie schwer ist es dann für die Schwiegermutter und Großtante Gisela, aus ihrer alten Haut zu kommen?

Seien wir ihnen gegenüber nachsichtig und respektvoll. Damit bieten wir unserem Kind ein Vorbild für ein gnädiges Menschenbild an.

Wir können schlecht sagen: Unserem Kind begegnen wir mit Respekt! … und begegnen den anderen Menschen eben nicht mit Respekt, sondern mit Hochmut und Ablehnung. Entscheiden wir uns für ein menschenfreundliches, verständnisvolles Weltbild. ♥

Beziehungsorientiert, bedürfnisorientiert Großeltern teilen meine Erzehungsideale nicht - was tun, wenn Oma anders erzieht?
Andere begegnen meinem Kind nicht so, wie ich es mir wünsche – was tun?

Gleiches gilt für Vertrauen

Dein Kind kooperiert immer, d.h. es übernimmt deine innere Haltung. Wenn du ihm wahrhaftig vertraust, schenkst du ihm also eine Riesenportion Selbstbewusstsein.

Aber wie soll das gehen, wenn du selbst noch grundsätzlich in Angst, Misstrauen und Zweifeln feststeckst?

Auch hier gilt: Fang zu erst bei dir selbst an. Frag dich spaßeshalber mal: Vertraue ich mir? Kann ich loslassen? Respektiere und ehre ich mich? Oder hänge ich in einem perfektionistischen Idealbild fest? Das ich dann auch von anderen verlange?

Erst wenn du selbst wieder zu innerem Vertrauen gelangst, kannst du es auch deinem Kind vermitteln.

Ich empfehle dazu die wunderbaren Bücher:

Das eigene Entwicklungstrauma aufzuarbeiten (bestenfalls mit professioneller Begleitung), bringt Vertrauen, Selbstliebe und Gelassenheit.

Damit werden destruktive Erziehungsmuster anderer Menschen nebensächlich. Warum? Weil dein Kind deine innere Stärke übernehmen wird.

Innere Widerstandskraft

Es gibt ein schönes Mittel gegen „die böse Welt“.

Es nennt sich: Resilienz.

Resilienzforschung ist aktuell ein großes Ding. Aus gutem Grund, wie ich finde. Statt problemorientiert immer nur das Negative zu beleuchten, ist es doch mal schön, sich andersherum zu fragen: Was läuft gut? Wo sind unsere Ressourcen? Woraus schöpfen wir Kraft und Freude? Und im Allgemeinen: Was macht Menschen stark und stressresistent?

Es gibt nach Resilienz-Coach Leandra Vogt verschiedene persönliche Fähigkeiten, die dein Kind stärken machen. Es sind u.a. diese hier:

Selbstwahrnehmung

Dein Kind kennt seinen Körper, seine Bedürfnisse und seine Gefühle oder anders gesagt: Es hat ein stabiles und gesundes Selbst(wert)gefühl. Mehr dazu, wie das gelingt, erfährst du in einem meiner wichtigsten Beiträge: Wie soll ich auf die Gefühle meines Kindes reagieren?

Neben dem richtigen Umgang mit Gefühlen – nämlich angemessen spiegeln, benennen, einordnen – ist grundsätzlich eine gute Kommunikation ein hilfreiches Mittel: Reflektiere gemeinsam über die Erlebnisse des Tages, biete einen reichen Wortschatz zur Beschreibung von Empfindungen und Ereignissen an. Sprich von dir selbst und erkläre deine eigene Gefühlswelt authentisch. Je besser ein Kind sprachlich erfassen und äußern kann, was es bewegt, was es erlebt und wie es sich (an)fühlt, umso differenzierter und stabiler ist sein Gefühl für sein Ich.

Selbstwirksamkeit

Dein Kind will und muss sich in seiner Welt als wirksam erleben. Es will einen sinnvollen Beitrag zum Gelingen der Familie beisteuern. Von Anfang an will es mitmachen, helfen, gestalten. Es kann anstrengend sein, ein Einjähriges beim Ausräumen der Spülmaschine einzubeziehen, aber es wirkt langfristig Wunder. Genieße es als gemeinsame Spielzeit und sieh es als Investition in die Zukunft an.

Selbstständigkeit

Mischen wir uns weniger ein und lassen Kinder ihre Erfahrungen selbst machen, schenken wir ihnen eine tolle Lernmöglichkeit. Anstatt unter Zeitdruck die Box selbst zu öffnen, die Schuhe anzuziehen oder das Brot zu schmieren, schalten wir doch lieber einen Gang zurück. (Dabei lernen wir selbst auch noch Achtsamkeit und Geduld. 😉 ) Alles, was ein Kind selbst schaffen kann oder könnte, sollten wir es selbst tun lassen. Das mag unsere Nerven manches Mal strapazieren, aber unser Kind nimmt sich davon Großes für sein Leben mit: Problemlösefähigkeit, Konzentration, Stolz und Selbstbewusstsein.

Jesper Juul empfiehlt es, Leandra Vogt rät dazu, Philippa Perry ist ein Fan davon: Lasst es die Kinder selbst machen!

Mama, wie geht das auf?“ – „Was denkst du? Hast du vielleicht selbst eine Idee?“ – „Ja, ich könnte hier drücken und die Gabel dazunehmen … Mama, es hat geklappt!!“ – „Siehst du, du hast es alleine geschafft!“

Was für ein Erlebnis!

Freiheit und Beziehung

Ein kleiner Mensch braucht also beides: Freiheit und Beziehung, um stark und glücklich zu werden. Gerald Hüther sagt so schön: „Verbunden sein und trotzdem wachsen.“ Das ist das Kernziel eines jeden Kindes – bereits im Mutterleib.

Man kann zusammenfassen: Wenn ein Kind in seiner Familie bedürfnis-/ beziehungsorientiert aufwachsen darf, entwickelt es einen dicken Batzen Resilienz. Es wird Stress besser aushalten können, einen guten Selbstwert entwickeln und nicht besonders anfällig sein für schräge Sprüche der Großeltern oder strenge Regeln der Kindergartenerzieherinnen.

Toleranz vorleben

Du kannst nach Reizsituationen auch schon mit Zweijährigen reflektieren: „Onkel Tobi war eben verletzend, nicht wahr? Wie ist das für dich gewesen? Ich habe mich damit unwohl gefühlt und war angespannt. Vielleicht ging es dir so ähnlich?“

Damit signalisieren wir dem Kind: Du bist richtig. Du bist gut. Ich schütze dich, ich bin an deiner Seite. Aber derjenige, mit dem es Probleme gab, der ist nun mal, wie er ist.

Trotzdem leben wir Dankbarkeit darüber vor, dass wir eine große Familie oder Gemeinschaft sind und uns gegenseitig unterstützen und Liebe schenken. Auf welche Weise auch immer.

  • Wir alle sind unterschiedlich und gehen andere Wege.
  • Wir alle wissen in Wahrheit nicht, was wir da tun.
  • Wir alle können durch diese Vielfalt voneinander lernen.

Anschuldigungen trennen uns. Schweigen und Ignorieren trennen uns auch. Wir haben aber öfter, als wir denken, die Möglichkeit, behutsam zuzuhören und in einem ruhigen Moment miteinander in den Dialog zu treten. Ohne zu belehren.

Aber:

Emotionale und körperliche Gewalt am Kind bleibt Gewalt und ist gerade in den ersten Lebensjahren immer schädlich.

Ich empfehle deshalb ausdrücklich nicht, dass wir uns immer raushalten sollen. Nein! Unsere Kinder beschützen, unterstützen und uns für eine wärmere Gesellschaft einsetzen, aufklären, Wohlwollen verbreiten – ich finde, das muss sein.

Mehr konkrete Inspirationen dazu gibt’s hier: Wie die körperlichen und seelischen Grenzen meines Kindes schützen?

Aber zurück zum Belehren …

Ich verzichte darauf, mein Kind wie Lehrer Oberschlaumeier zu beratschlagen und ich doziere nicht über die Biologie der Frösche, wenn es mich nicht danach fragt.

Unterweisen, Moralisieren, Schulmeistern – all das lässt das Gegenüber sich dumm oder angegriffen fühlen. Warum sollte ich also meine Mitmenschen damit belagern?

Bevor ich meine (Schwieger-)Mutter überheblich darüber belehre:

  • dass Loben demotiviert und Kindern das Selbstbewusstsein raubt
  • dass Schimpfen ein Zweijähriges Kind massiv verletzen kann
  • dass Tricks und Manipulation in der Erziehung die Verbindung zwischen ihr und ihrem Enkelchen kappen und was noch alles mehr …

Ist es nicht sinnvoller, behutsam über die eigene Vergangenheit zu sprechen, wenn es sich anbietet und die Gesprächsatmosphäre stimmt?

Erzähl deinem Gegenüber doch vielleicht, wie du solche Erfahrungen als Kind empfunden hast. Erzähl, worunter du damals gelitten hast. Frag doch mal, wie ihre Erfahrungen da waren? „Aha. Siehste, deshalb bemühe ich mich heute, es anders zu machen. Hab da dies und das gelesen und probiere es jetzt auf jene Weise. Das funktioniert für uns gerade gut. Was meinst du dazu?“

Neue Wege im Miteinander

Wenn wir neue Wege in der Beziehung zu unseren Kindern suchen, dann sollten wir vielleicht auch die belehrenden, erzieherischen Methoden bei unseren Mitmenschen ablegen. Bei unseren PartnerInnen, Eltern, den ErzieherInnen.

Wir sitzen alle im selben Boot: Wir lieben dieses Kind und wollen ihm nichts Schlechtes. Halten wir uns doch das Positive vor Augen und leben wir dem Kind vor, was wir uns für es wünschen.

Tolerante und optimistische Grüße

Anne

PS: Kennst du noch mehr Eltern, die sich mit „anderen“ Erziehungsmethoden plagen? Dann schick ihnen doch diese Gedanken weiter. ♥

Zum Weiterlesen:

Dreiteilige Reihe über Resilienz in der Familie von Resilienz-Expertin Leandra Vogt auf miniandme:

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

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Kommentare (2)

  • Liebe Anne, ich habe deinen Artikel wie immer mit großem Interesse gelesen. Deinen Blog mag ich eh sehr und verpasse keinen Artikel 😉 du bringst viele gute & wichtige Punkte an und hast es wie üblich super recherchiert. Allerdings muss ich aus meiner Sicht ganz klar hinzufügen: Es ist m. E. eben doch wichtig, den entsprechenden Personen gegenüber auch klar meine Stellung zu beziehen. Wenn die Oma, Schwiegereltern oder gar Nachbar (aus meiner Sicht: der hat seine Meinung definitiv für sich zu behalten und das würde ich auch sachlich & deutlich kommunizieren) meinem Kind gegenüber etwas äußern, wie deine Beispiele im Artikel („Jungs weinen nicht“ / „Ist doch nichts passiert“ o.ä.), dann würde ich es direkt ansprechen und sagen, dass ich das nicht möchte („Na klar weinen auch Jungs und Männer“ / „Doch, es ist etwas passiert, er hat sich erschrocken“). Das kann ich ja in einem sozial verträglichen Ton machen. Es bedeutet für mich, mein Kind zu verteidigen und zu schützen, in der Situation. Zudem es auch gleich merkt: Aha, Mama sagt Opa Klaus, dass er so nicht sprechen soll, mein ungutes Gefühl stimmt mit Mamas Sicht überein“. Ich würde es nicht erstmal auf sich beruhen lassen und erst später irgendwann auf die einfühlsame Therapeutenart versuchen, darüber ins Gespräch zu kommen. Das ist dann optional als Zusatz möglich (bei einigen Menschen würde ich es zusätzlich tun, bei anderen reicht es m. E., Grenzen aufzuzeigen).
    Aber sicherlich ist es auch Typsache, was sich für einen persönlich richtig anfühlt. Wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich es etwas anders sehe. Liebe Grüße 🙂

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Ich bin Anne, leidenschaftliche Onlinejournalistin und immerfort lernende Mutter zweier Kleinkinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich für mehr Mütterlichkeit und eine wärmere Gesellschaft ein. ♥

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