Schlechtes Gefühl nach Ratgeberlektüre

Reifes Verantwortungsgefühl oder toxischer Druck? Wie reagierst du auf die BO-Bubble?

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Willkommen in der BO-Bubble. Willkommen in der Villa Friedefreudeeierkuchenkunterbunt. Da, wo alle gewaltfrei kommunizieren, nach Lehrbuch Wutanfälle begleiten, immer leise und friedfertig sprechen, den ganzen Tag die Liebe fließt, jede(r) so viel kuscheln kann, wie er/sie will und wo NIEMAND TRAUMATISIERT wird.

Herrlich, wa?

Naja, du ahnst es schon. Völliger Bullshit.

Wir sind Menschen

Kinder brauchen MENSCHEN als Eltern, keine Roboter.

Und das Auswendiglernen aller BO-Literatur von Kohn bis Rosenberg ist kein Garant dafür, dass wir auch wirklich gut in Beziehung mit unseren Kindern gehen können.

Ich kenne Mütter, die sind emotional gesehen die reinsten Kühlschränke, flöten aber 24/7 GFK.

Ich kenne Mütter, die sagen auch mal „Spinnst du?“ zu ihrem Kind, und sind trotzdem herzenswarm und sicher mit ihren Kindern verbunden.

Bin ich eine gute Mutter?

Auch wenn nach außen hin alles fein aussieht, heißt es nicht automatisch, dass es Kindern hinter der Vorzeigefassade gut geht.

Und auch wenn man als Nachbar ab und zu Geschrei von nebenan hört, heißt es nicht automatisch, dass es den Kindern hinter der Wand schlecht geht.

Was ich aber mit meinen Klientinnen bearbeite, ist oft etwas ganz anderes. Nämlich nicht die Frage: Bin ich eine gute Mutter?, die sie herführt. Sondern: Warum glaube ich, alles perfekt machen zu müssen?

Gesund Verantwortung übernehmen

Es ist nämlich so: Es gibt diese Art von Eltern, die studieren die Inhalte der Beziehungsorientiert-Community und merken: Ups, ich stoß da auf alte Verletzungen, Enttäuschung, Schmerz… Sie gehen ins Mitgefühl mit sich selbst damals als Kind, das bspw. Manipultaion und irgendeiner Form von  Gewalt ausgesetzt war. Dieses Mitgefühl und die Wehmut dabei wirken ein bisschen wie ein Zauber im Inneren: Sie führen uns in den liebevollen Kontakt mit uns selbst. Und dadurch können wir dann unsere Kinder auf Augenhöhe begleiten – mit all unserem Scheitern, unser Verletzlichkeit und unseren Macken.

Schön.

Von Druck und schmerzhaften Zweifeln

Es gibt aber auch eine andere Kategorie Eltern. Solche nämlich, die sich vom Konsum der Ratgeber ganz schrecklich unter Druck setzen lassen und denken: Fuck, ich traumatisiere mein Kind, wenn ich so bin, ich kriege es nicht hin, ich bin nicht gut!!!

Woher kommt das?

Das Schuldgefühl, der Druck, das Überanalysieren, die tonnenschwere Verantwortungslast für das Wohlergehen der ANDEREN – all diese quälenden Nervensägen sind nichts als ÜBERLEBENSSTRATEGIEN.

Sie haben früher geholfen, in einem dysfunktionalen Familiensystem zu überleben. Beispiel: Ein Elternteil ist labil und macht andere für seine Gefühle verantwortlich („Wenn du nicht so viel fordern/ nerven/ Arbeit machen würdest, ginge es mir besser!“). Ein Kind fixiert sich dann auf den elterlichen Gesichtsausdruck, legt jedes Wörtchen, jede Regung auf die Goldwaage und denkt: ICH BIN VERANTWORTLICH DAFÜR, WIE ES DER MAMA/DEM PAPA GEHT! Es glaubt, wenn es nur ganz, ganz angepasst, pflegeleicht und artig ist, wenn es ALLES RICHTIG macht, DANN freut sich die Mama, DANN hat der Papa mich lieb, DANN sehen sie mich wirklich!

Die inneren Eltern im Schlepptau

Später gründen wir zwar eine eigene Familie, aber unsere inneren Eltern ziehen mit uns mit. Und wir fixieren stellvertretend unser Kind: Was kann ich NOCH tun, damit es sich WIRKLICH geliebt fühlt? Welches Buch über Beziehung/Liebe/Familie kann ich NOCH lesen, um eine bessere Mama/ Papa zu sein?

Oberflächlich sagen wir uns: Ich will nicht, dass sie es später genauso schwer haben, wie ich es hatte und habe!

Aber wenn wir uns in einer Selbstbegegnung die Anteile anschauen, die darunterliegen, dann sehen wir: Wir wollen noch immer ALLES RICHTIG machen, weil wir uns für das WOHLERGEHEN VON MAMA/ PAPA verantwortlich fühlen und von ihnen gesehen und geliebt werden wollen.

Zwischen Verantwortung und toxischem Druck

Versteht mich nicht falsch: Natürlich sind wir das als Eltern für unsere Kinder auch verantwortlich. Die Frage ist allerdings: Empfinden wir diese Verantwortung angemessen und schätzen unsere vermeintlichen Fehlerchen realistisch ein? Oder fühlen wir eine so schlimme Last, dass es uns fast zerreißt, wenn wir mal laut geworden sind?

Um noch mal den Bogen zu spannen, kommt jetzt die Moral von der Geschicht: 100 Prozent BO kann niemand nicht.

You know: 80 ist das neue 100 – Menschsein statt Maschine. ♥

Alles Liebe euch wundervollen Eltern da draußen!

Eure Anne

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Beziehung statt Erziehung, Bindungstrauma, Entwicklungstrauma, Erziehungsideal, Schuldgefühle, Selbstfürsorge, Selbstreflexion, Trauma durch Erziehung

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Ich bin Anne, leidenschaftliche Schreiberin und immerfort lernende Mutter zweier Kinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich seit 2019 für friedvoll-authentische Elternschaft ein und kläre über Entwicklungstrauma auf. ♥

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