Mamas Körperempfinden ist Vorbild

Mama als Vorbild: Übers Sich-Schön-Fühlen für unsere Töchter

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Eine heute 30-Jährige Frau denkt zurück: Sie selbst mit 15 Jahren. Innerlich mickrig. Alle anderen fahren an den Badesee. Und sie? Im See baden? Ins Schwimmbad gehen? Vor all den anderen? No way! Die Schminke würde ja verlaufen. Die brav geglätteten und mit Haarspray angeklebten Haare würden wieder zu wilden Locken aufleben, und – igitt – ihr halbnackter Körper …

Also bleibt sie zu Hause. Bleibt steif. Klein. Versteckt sich und ihre Zweifel, ihre Ängste.

Der Preis dafür, versteckt zu bleiben ist immens: ausgeschlossen sein vom sozialen Leben der Gleichaltrigen.

Weiter gedacht …

Stell dir nur mal ansatzweise vor, deiner Tochter ginge es so mit 15 Jahren? Überkommt dich da nicht auch der Brechreiz? Spaß, Lachen, Pommes, Sonne, Wasserschlacht. All das aufgeben wofür? Körperhass, Langeweile und Selbstzweifel? Und nur eines völlig unrealistischen Körperideals wegen?

Vorbild sein

Ich will ein gutes Vorbild sein. Ich will meiner Tochter vermitteln: Du bist schön.

Du auch? Und sagst du ihr das oft? Dass sie hübsch ist? Stolz auf sich sein kann?

Jetzt sag ich dir aber: Kinder kooperieren. Sie kooperieren immer.

Weißt du, was das heißt? Sie spiegeln deine innere (auch unbewusste) Haltung.

Du kannst deinem Kind unendlich oft scheinbar ein gutes Selbstbewusstsein einflüstern. Du kannst Body positivity, Lob und Motivation zusprechen. Aber deine innere Haltung brüllt es parallel an und lädt zum Übernehmen ein: Mama zweifelt an sich selbst. Sie ist unzufrieden mit ihrem Körper. Sie fühlt sich wertlos, wenn sie neben anderen Schönen sitzt. Sie vergleicht sich andauernd.

Abstrus!

Die Situation aus dem Eingangsbeispiel ist auf zwei Weisen absurd:

  1. Es handelt sich um ein ganz normales, durchschnittliches Mädchen. Weder besser noch schlechter, schöner oder hässlicher als alle anderen.
  2. Selbst wenn dieses Mädchen tatsächlich aus irgendeinem subjektiven Winkel die Hässlichste gewesen wäre – SO WHAT?

Sind wir Models, dessen Broterwerb Schönsein ist? Es ist scheißegal, wie wir aussehen. Es ist scheißegal, welche Figur wir haben. Es interessiert kein Schwein. Niemanden.

Wir dürfen einfach Spaß haben. Dieses Mädchen da oben – es darf sich gehen lassen, sich freuen, mitmachen. Wir sind nicht auf der Welt, um schön zu sein. Das ist einfach nur eine verhängnisvolle Illusion.

Wir sind normale Menschen. Wir haben liebenswerte, lebendige Körper. Punktausende.

Und das sind auch unsere Töchter.

Die Konsequenz für unsere Kinder

Wenn wir uns hässlich finden, uns also dauernd bewerten, wenn wir dauernd etwas an uns zu mäkeln haben, werden sie das übernehmen, egal, wie oft wir ihnen sagen, dass sie schön sind.

Was übrigens wieder nur eine Bewertung von Äußerem ist. Ein Urteil. Ein „Das muss wohl wichtig sein, wie du aussiehst, wenn ich das sooft anspreche“.

Inkongruenz und Kontostand

Die Tochter hört die Mama sagen: „Kind, du bist schön und wertvoll.“ Sie fühlt aber, dass die Mutter sich selbst ablehnt, obwohl sie für ihr Kind die schönste Frau der Welt ist. Was issn das? Das nennt man Inkongruenz in der Psychologie. Wenn verbale und nonverbale Sprache verschiedene Botschaften senden. Das ist sehr schädlich für Kinder. (Und für uns auch.)

Mamas Körperbild
Kinder haben immer Zugang zur inneren Haltung ihrer Eltern

Deswegen: Fangen wir bei uns selbst an.

Hören wir auf, uns dem Druck auszusetzen: Wir müssen nicht schön sein. Und wir müssen uns auch nicht ständig bewerten, vergleichen, schlecht be-/ verurteilen.

Klar, wir wurden als Kinder von Erwachsenen ständig bewertet. Wir wurden in der Schule bewertet dafür, wie wir hopsen im Sport, wie wir singen im Musikunterricht, wie wir unsere Kreativität ausleben im Kunstunterricht. Aber war das richtig? Puh, Gerald Hüther und Vera Birkenbihl würden sagen: ganz klar nein!

Und so eine Note, die sagt nichts über den Wert als Mensch aus.

Und so ne Anzahl Facebook-Likes, die sagt nichts über deine sozialen Netzwerke der Realität aus.

Und dein Kontostand, der hat keine Ahnung davon, ob du innerlich reich oder total verarmt bist.

Wertvoll im Inneren

Sich wertvoll zu fühlen, das erreichen wir auch nicht, wenn wir Modelmaße haben und 30 kg Schminke tragen. Sich wertvoll fühlen geht ganz tief drinnen los.

Als erster Schritt mal eine Erkenntnis für dich (am besten laut vorlesen): Ich darf mich bedingungslos wertvoll fühlen – in Jogginghosen, mit Wabbelbauch und gerupftem Dutt. AUCH neben einer superchicken Stylobraut. Auch sie ist wertvoll. Aber das hat nichts mit dir zu tun. Und jemand mit (oder ohne) Job, Geld, Haus, hübschen, gehorsamen Kindern ist genauso wertvoll wie du. Und du bist genauso wertvoll wie sie.

Wo hab ich das nur her?

Woher kommen diese Glaubenssätze überhaupt? Warum denken wir, wir müssten schön sein?

Es spielen sicherlich viele Faktoren hier rein. Was ich schon angedeutet habe: Ständiges bewertet werden durch Lob, Schulnoten, Likes etc. feuert Selbstzweifel noch an. Und im Inneresten wollen wir alle nur eins: uns selbst (und uns für andere) wertvoll fühlen und dazugehören. Oder anders gesagt: Wir brauchen eine gesunde Beziehung zu uns selbst, unseren Mitmenschen und der Welt.

Wenn unser Selbstwert verletzt ist, z.B. durch unser eigenes Entwicklungstrauma, dann suchen wir im Außen Strategien, die unser inneres Loch auffüllen sollen. Was natürlich nie gelingt. Wir können im Außen nichts finden, das wir eigentlich in unserem Inneren suchen müssen.

Unbewusste Glaubenssätze quälen uns

Wir etablieren vielleicht Glaubenssätze wie: „Ich muss schön sein, um geliebt zu werden.“ oder „Ich muss leisten, denn ansonsten genüge ich nicht.“ Wir haben permanent Angst vor Entwertung, Abwertung, ausgeschlossen zu sein.

Die Medien (besonders die sogenannten [a?]sozialen Medien) machen sich unsere Angst zunutze. Sie wollen, dass wir glauben: Wenn wir hässlich sind, will uns keiner. Dann sind wir ausgeschlossen. Wertlos. Deshalb: Hier bitte schön – dieses Produkt macht dich schöner. Dann bist du endlich wertvoll! [haha] Dann gehörst du dazu! Kauf es! Kauf es! Na los!

Angst bringt Geld.

Und Angst überträgt sich auf unsere Kinder.

Deshalb hier ein paar neue Sätze, die du dir mal an den Badezimmerspiegel schreiben solltest:

Du bist ein schöner, wertvoller, wunderbarer Mensch. DU. BIST. SCHÖN. Du bist wertvoll.

Du musst niemandem etwas beweisen. Du bist. Du bist vollkommen.

Und das war’s.

Der beste Weg, dein Kind zu unterstützen, ist, dich selbst zu unterstützen. Und zwar von innen heraus. Auf geht’s!

Dazu zwei Literaturtipps von Herzen:

Schöne Grüße

Deine Anne

PS: Haben dich diese Gedanken inspiriert und dir eine neue Perspektive aufgezeigt? Dann schick sie doch weiter an andere fabelhafte Menschen, die bisher gar keine Ahnung haben, wie wundervoll sie eigentlich sind. ♥

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

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Ich bin Anne, leidenschaftliche Schreiberin und immerfort lernende Mutter zweier Kinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich seit 2019 für friedvoll-authentische Elternschaft ein und kläre über Entwicklungstrauma auf. ♥

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