mutterstörungen psychoanalyse narzissmuss bei müttern mutterideale schaden

Psychoanalytiker warnt: Hör endlich auf, eine „gute Mutter“ sein zu wollen

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Adam fährt im Cabrio durch Paradies, die Vagina dient ihm als Müllhalde für seelischen Schmerz und Eva erzieht mit mütterlichem Gift ihre Kinder zu psychischen Wracks.

Wo sind wir bitte hier gelandet? In der christlichen Mythologie! Du hast schon richtig gelesen. In diesem Artikel wird’s spannend. Und schmerzhaft. Lies nur weiter, wenn du auch ordentlich Mut im Gepäck hast.

Schädliche Mutterideale – hier erfährst du:

  • Wie wir unter „guten“ Müttern leiden
  • Warum es keine ideale Mutter geben kann
  • Wie du es als „mangelhafte“ Mutter trotzdem schaffst, deinem Kind nicht zu schaden
  • Was dein Kind wirklich braucht, um gesund und stark aufzuwachsen

Let’s go!

Das Paradies für dein Kind

Ich will es, du willst es auch: das Paradies für unsere Kinder, in dem sie frei von körperlicher und seelischer Verletzung zu resilienten, erfolgreichen und zufriedenen Erwachsenen reifen können.

Du willst keine Fehler in der Erziehung machen und hinterfragst herkömmliche Familiensysteme kritisch?

Ich kann dir sagen: Das ist gut! Aber es gibt da einen Haken – wie überall. Es kann sein, dass du damit über die Stränge schlägst.

Ein Psychoanalytiker klärt auf

Auf die Idee zu diesem Artikel hat mich Hans-Joachim Maaz gebracht mit seinem Buch Der Lilith Komplex. Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit*. Wenn du auf intellektuelle Hochkaräter stehst, ist das Buch ein absolutes Muss. Aber Achtung: Es kann extrem triggern. Maaz liebst du. Oder du hasst ihn. (Wie auch diesen Artikel hier.)

Anhand der Figuren Adam und Eva erklärt Maaz messerscharf, wie fehlgeprägt unsere Gesellschaft ist. Wusstest du, dass Eva nicht einfach grundlos aus Adams Rippe erschaffen worden ist? Es gibt noch eine Vorgeschichte.

Und Achtung: Es geht hier NICHT um die Inhalte der Bibel. Die Symbole, die Maaz nutzt, stammen aus der christlichen MYTHOLOGIE. Ein Unterschied.

Die Schöpfung aller Probleme

Zuerst schuf der Gottvater – mutterlos – zwei Menschen: Adam und Lilith. Allerdings passten die zwei mit ihren erotischen Vorstellungen nicht so ganz zueinander. An ihrem sexuellen Konflikt sehen wir ihr Grundproblem: Lilith wollte aktiv sein, verweigerte die Missionarsstellung, mochte oben liegen. Adam konnte das nicht hinnehmen, weil er, mutterloser Macho, der er war, die Macht über die Frau behalten wollte. Lilith flüchtete deshalb aus dem Paradies. An ihrer statt wurde eine untergeordnete Frau – Eva – aus seiner Rippe erschaffen.

Klingt schon mal nach Seifenoper!

Für Maaz widerspiegelt dieses Dreierkonstrukt das komplexe Gesellschafts-, Erziehungs-, und Beziehungsproblem der heutigen Zeit. Wir leiden demnach unter einer pathologischen Art, Beziehungen zu führen und unsere Kinder zu erziehen.

Die These: Wir alle erleben von der Geburt bis zum dritten Geburtstag mehr oder weniger einen Mangel an Mütterlichkeit*.

*Anmerkung: Maaz schreibt, dass Mütterlichkeit hier nicht als eine Eigenschaft gemeint ist, die nur einem Geschlecht zuzuordnen ist. Auch Männer können „mütterlich“ sein. Hier würde alternativ auch der Begriff „Geborgenheit“ passen. Im weiteren Artikel ist nun aber von Mütterlichkeit die Rede.

Und dieser Mangel hinterlässt in unserer Psyche ein schmerzhaftes Loch, eine Bedürftigkeit nach echter Liebe. Dieses Loch leugnen und verdrängen wir. (Denn hej, meine Mutter liebt mich über alles, was soll der Scheiß?) Dieses Loch aber verursacht Fremdenhass, Rückenschmerzen, Instagram-Sucht, Perfektionismus, Pessimismus, Stress, Fressen, Saufen, Rauchen, Zocken, Hyperkonsum. Kurz, alles, was echt krank ist, und uns davon abhält, ein tief zufriedenes, entspanntes Leben zu führen.

Und dieses Loch. Wie groß auch immer. Es existiert in jedem von uns.

Es ist in unserer Gesellschaft leider ganz „normal“.

Was normal ist, ist nicht krank, oder?

Schon mal von Normopathie gehört? Das heißt, dass scheinbar Normales, Durchschnittliches in Wirklichkeit krankhaft (pathologisch) ist. Nur weil unsere gesamte Kultur durchzogen ist von falschen Beziehungsmustern und schädlicher Kindererziehung, heißt das noch lange nicht, dass das in Ordnung ist.

Zugespitzt formuliert heißt das: Für die meisten deiner Probleme ist ein früher Mangel an Mütterlichkeit verantwortlich. Unsere gepriesene Mütterlichkeit ist eine krankhafte, verlogene.

Ernsthaft?

Diese „bösartige“ These klingt weit hergeholt und erschreckend. Immerhin hat deine Mutter alles gegeben, war lieb und fürsorglich. Genau wie du. Warum soll dein Kind ein Mutterdefizit haben? Warum sollst DU ein Mutterdefizit haben?

Der Muttermangel

Die Wahrheit ist: Auch du trägst unbefriedigte existenzielle Bedürfnisse in dir. Auch du hattest in deiner frühen Kindheit Situationen, in denen du deine Mutter gebraucht hättest, sie dir aber nicht das gegeben hat, was dein Bedürfnis war:

  • ihre Nähe
  • ihre ehrliche emotionale Anwesenheit
  • ihr wahres Ich

Deshalb sind diese Erfahrungen aus deiner Psyche abgespalten und du erinnerst dich nicht daran. Du weißt auf gut Deutsch nichts von deinem Mutterdefizit, aber es ist da und beeinflusst die Erziehung deines eigenen Kindes.

Schauen wir uns alles ganz der Reihe nach an.

Aus Perspektive des Kindes

Die eine Seite des Problems ist also, dass wir weniger Mütterlichkeit (oder die falsche) empfangen haben, als wir brauchten. Wir brauchten mehr Getragen-sein, Gestillt-werden, Akzeptiert-werden, Zeit mit der Mutter, bedingungslose (d.h an keinerlei Bedingungen gebundene) echte Liebe, als wir bekommen konnten. Aus verschiedenen Gründen, z.B.:

  • wurdest du früh in die Krippe gegeben, weil die Familie das Geld aus zwei Erwerbstätigkeiten brauchte.
  • Oder du wurdest alleine im Kinderbettchen abgelegt und schreien gelassen, weil es hieß, das kräftige die Lungen.
  • Oder deine Mutter hat deine Dankbarkeit und Liebe gebraucht, um sich bestätigt zu sehen – um ihr eigenes Mutterdefizit auszugleichen.
  • Oder du wurdest falsch und schlecht gemacht, wenn du wild, autonom und lebendig warst, weil das die Nachbarn gestört hätte.
  • Oder deine Mutter konnte ihre Liebe zu dir nur mit Essen ausdrücken, weil sie gelernt hat, Gefühle zu unterdrücken.
  • Oder du musstest wegen eines Krankheitsleidens viel Rücksicht auf deine Mutter nehmen.
  • Oder deine Mutter war abwesend, weil sie sich um ein anderes sehr junges Geschwisterkind kümmern musste.
  • Oder deine Mutter hatte emotionale Probleme in ihrer Partnerschaft und war deshalb leicht reizbar, oft genervt …

Liste unendlich erweiterbar.

Aus Perspektive der Mutter

Es existiert im sogenannten Lilith-Komplex noch eine andere Seite: nämlich die Leugnung der Nachteile von Mutterschaft.

Bitte? Muttersein ist doch das schönste und wertvollste, was es gibt! Trallalala! Ich liebe meine Kinder! Klingklangklimperlalalalal! Ja, schön und gut …

Kaum eine Mutter wagt es noch, ihre seelische Überforderung durch die Ansprüche der Kinder und ihre soziale Überlastung durch ihre Mutterfunktion einzugestehen und die Grenzen ihrer Mütterlichkeit offen zu bekennen.

Maaz, S. 15.

Wie oft habe ich in meiner ersten Schwangerschaft von duftenden Blumenwiesen und schillernden Familienfreuden in den süßesten Oden von anderen Müttern gehört, wie wunderschön es doch mit Baby sei und was das alles für ein großartiges Geschenk des Lebens wäre. Als ich im Wochenbett frustriert, heulend, überfordert und schimpfend ein ehrliches Bild von Mutterschaft gezeichnet hab, schlug mir von genau den gleichen Ode-Sängern Bestätigung entgegen.

Negative Seiten der Elternschaft? Absolutes Tabuthema!

Das Mutterdasein hat gefälligst das Beste überhaupt zu sein. Die ach so reine mütterliche Liebe sei angeboren und großartigst und wundervollst! Mamafreuden allüberall und ständig!

Und wehe du traust dich mal auszubrechen und dein Kind zu verfluchen.

Dann kommt sicher gleich das Jugendamt, du böse Rabenmutter.

Das christlich-mythologische Symbol

Ok. Mangel an Mütterlichkeit und Tabus. Soweit klar. Was hat das jetzt mit der alten Dreierkiste Adam-Lilith-Eva zu tun?

Denk dir jede der drei Figuren als Symbol für einen gesellschaftlichen Bereich:

Gott, der Vater, erschafft drei Menschen ohne Mutter. Die haben also – haha – ein Mutterdefizit.

Adam

ist der patriarchalische Macho, der aufgrund von Muttermangel nun kompensieren muss, was psychosozial bei ihm verkrüppelt blieb (guter Selbstwert und solche Dinge): Er muss der Coolste und Stärkste sein, das dickste Auto fahren (im Cabrio durch’s Paradies!), die meiste Macht haben. Indem er Frauen beherrschen will, verrät er seine versteckte Angst, Aggressivität und Unsicherheit. (Urvertrauen und positives Selbstwertgefühl entwickeln sich durch eine stabile, gesunde Beziehung zur eigenen Mutter. Lies gerne mehr dazu hier: Hitler im Herzen – Erziehung und Trauma.)

Maaz schreibt so treffend provokant über seine herzlose Sexualität: „[…] die Vagina dient der Entsorgung seiner seelischen Verletzungen […].“ (S.42)

Lilith

dagegen will Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung mit dem Mann. Sie ist lebendig-lustvoll, will sexuell aktiv sein und lehnt die Rolle als Mutter ab – schränken Kinder sie schließlich gewaltig in ihrer (sexuellen, sozialen, beruflichen) Freiheit ein.

Eva

ist das unterwürfige Weibchen, das auf die Rolle als Männerdienerin und Mutter reduziert wird. Sexuell passiv, aufopferungsvoll, monogam. Die Frau für Herd und Kinderzimmer. Sie wird unterdrückt und ausgebeutet (Mehrfachbelastung durch Mann, Kinder, Arbeit, Haushalt etc.) und gleichzeitig auf verlogene Weise heroisiert (Muttertag o.ä.).

Igitt!

Die klingen alle drei unsympathisch. Aber ein Mensch als Ganzes besteht psychisch gesehen aus verschiedenen Anteilen.

Optimalerweise sollte es kein Mann nötig haben, inneren Schmerz durch Konsum, Macht oder Kämpfe zu kompensieren. Keine Frau ist nur Eva – dann leugnet sie ihre Lilith-Anteile.

Unsere patriarchalische, christlich geprägte Kultur trägt seit Jahrtausenden nun aber ein Frauenbild vor sich her, dass gespalten ist in Eva und Lilith. Eva wird auf verlogene Weise verehrt, als Marienbild geheiligt. Lilith als Hure tabuisiert und dämonisiert.

Tada: Da ist er, der Lilith-Komplex* – die gleichwertige, lustvolle, kinderfeindliche Frau, die verdrängt und verleugnet wird, weil sie nicht ins patriarchalische Schema passt.

Dumm nur, dass Verdrängen und Leugnen immer einen hässlichen Rattenschwanz hinter sich herziehen …

Eva, die gute und schlechte Mutter

Machst du dich als Mutter zur Eva, erziehst du unbewusst wieder nur unsympathische Menschentypen als Kinder: Söhne machst du zu Machos mit Egoproblemen, Töchter zu „halben“ Frauen, die zickig, unzufrieden, passiv bleiben.

O, o – und glotzt uns hier vielleicht sogar frech der Ursprung der sogenannten Rosa-Hellblau-Falle ins Gesicht? Bescheuerte Geschlechterklischees, die uns alle irgendwie unter Druck setzen und unglücklich machen? Lies mehr dazu in diesem Buch von Schnerring und Verlan: Die Rosa-Hellblau-Falle.*

Einen gesunden und berechtigten Anteil der eigenen Persönlichkeit zu leugnen, macht dich zu einer verlogenen Mutter, die nicht authentisch und ehrlich ihrem Kind entgegentreten kann. Das schädigt letztlich eure Beziehung massiv.

Der kindliche Tyrann, die zickige Eva

Du hast vielleicht schon mal von der Tyrannenthese gehört? Diese völlig haltlose Behauptung, dass mit emotionaler Zuwendung verwöhnte Kinder zu flegelhaften Erwachsen erwüchsen. Bullshit! Das Gegenteil ist der Fall: Unbefriedigte Bedürfnisse in der frühen Kindheit nach ganzheitlichen, ehrliche Eltern ziehen rücksichtslose Machos, Verdränger-Frauen oder Pseudoemanzen nach sich.

Kennst du so eine? – vielleicht sogar an dir selbst: eine zickige, nervende Eva, die ihre Lilith leugnet. Ihre Eltern – selbst Adam und Eva – unterdrückten ihre emotionale Lebendigkeit und lustvolle Aktivität. Sie forderten Beherrschung und sahen sie als Objekt der Erziehung, das geformt und diszipliniert werden musste. So wurde sie als Erwachsene zur sexuell Passiven, ihr Partner zum Benutzer.

Die Frau begibt sich notgedrungen aus patriarchalischer Vorherrschaft in eine untergeordnete und abhängige Position, aus der sie den Mann mit ihren unerfüllbaren Sehnsüchten und Wünschen quält und schließlich mit ihren Enttäuschungen und ihrem Haß der Unterdrückten die Beziehung terrorisiert und zerstört. Die unterdrückte Lilith macht sie unzufrieden-bedürftig, macht sie vorwurfsvoll-nörgelnd, läßt sie genervt agieren.

Maaz, S. 18.

Die früher unbefriedigten Bedürfnisse nach echter Mütterlichkeit führen in der Gegenwart dazu, dass sie als Ersatz nun Bestätigung und Zuwendung von ihrem Partner erwartet, der sie natürlich niemals befriedigen kann. Zumal er selbst seine Gefühle verdrängt und eine Identitätsschwäche hat, die er zu kompensieren versucht: mit Haus, Geld, Macht.

Er sexualisiert die Beziehungen zu Frauen und vermeidet vertrauensvolle, liebevolle Hingabe.

Mutterstörung und Frauenbewegung

Maaz bemängelt, dass dem heutigen Feminismus der Schlüssel zur Beseitigung der Geschlechterungleichheit fehle: das Bewusstsein darüber, dass es unterdrückende Männlichkeit nur geben kann, wenn Kinder in ihrer frühen Entwicklung nicht bedürfnisorientiert aufwachsen dürfen.

Ein Mensch, der eine gesunde psychosoziale Entwicklung hinter sich hat, ist kein Unterdrücker. Er zieht nicht in den Krieg. Er wird nicht zum Diktator. Er fügt anderen kein Leid zu.

Im Kampf um Gleichberechtigung „den Mann“ zum Gegner zu machen, ist sinnlos.

Im Kampf um Berufstätigkeit und die gleichwertige soziale Karriere der Frau wird Mütterlichkeit gern verleugnet und abgewertet, Kinderkrippen mit einer verfrühten Trennung von Mutter und Kind werden für […] notwendig gehalten.

Maaz, S. 20.

Sind also wiederum Kinderkrippen per se schlecht? Und widerspricht sich das nicht? Musst du also doch die perfekte Mutter sein, um dein Kind gesund aufzuziehen? Mitnichten.

Der kinderfeindliche Teil der Persönlichkeit, er ist da! Wir alle tragen ihn in uns. Er ist auch an sich keine belastende Bedrohung. Lilith ist einfach ein ganz normaler Anteil deiner Psyche. Denn: Mit dem Muttersein gibst du vielleicht Ungebundenheit und Freiheit auf, büßt berufliche und soziale Gleichberechtigung ein und die eigene sexuelle Lustfähigkeit (und Attraktivität) ist zumindest zeitweise eingeschränkt – ist da Ablehnung nicht auch verständlich?

Natürlich ist sie das! Die Medaille hat immer zwei Seiten. Differenziert zu denken, dich selbst und deine Gefühle zu akzeptieren, ist der einzige Weg, eine gesunde Beziehung zu deinem Kind aufzubauen.

Wie Mutterideale schaden
Psychotrauma
Entwicklungstrauma
Narzissmus bei Müttern
Hör auf, eine perfekte Mutter sein zu wollen!

Die ständige Weitergabe des Lilithkomplexes

Überbetonte Mütterlichkeit oder sich zugunsten der Emanzipation frühzeitig vom Kind zu trennen, manifestieren den Lilith-Komplex in der nächsten Generation.

Warum?

Die moderne Säuglingsforschung zeigt, dass von Beginn an Mutter und Kind miteinander kommunizieren. In der Kommunikation mit deinem Baby wirst du unbewusst daran erinnert, wie deine eigene Mutter mit dir umgegangen ist. Dein Baby „spricht“ im Grunde mit deinem inneren Kind. Das kannst du weder verhindern noch beeinflussen. Dazu schreibt auch Inga Erchova in Jede Mutter kann glücklich sein*. Herzensempfehlung!

Das heißt im Umkehrschluss, dass der größte Einfluss darauf, wie du dein Baby pflegst, liebst und mit ihm umgehst, davon beeinflusst wird, wie du selnst in deiner Babyzeit behandelt wurdest.

Du kannst dabei Erziehungsratgeber lesen und dich abmühen, wie du willst – dein Unbewusstes bleibt. Und es kommuniziert laut und direkt mit deinem Kind.

Die früher ungestillten Bedürfnisse führen dazu, dass wir als erwachsene Menschen im Grunde unreif sind. Da die eigenen Bedürfnisse mangelhaft befriedigt wurden (frühe und/ oder schlechte Fremdbetreuung, aufgesetzte, falsche Mütterlichkeit, alleine Schreien lassen, etc.), sind wir nun schlechter in der Lage, die kindlichen Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen.

Eine Frau, die „Lilith“ leugnet und „Eva“ lebt, wird durch ihre unbewußte Verleugnung und ihre reduzierte Weiblichkeit ihrem Kind unweigerlich Schaden zufügen.

Maaz, S. 20.

Das führt dann zu einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung:

Mutter und Kind können sich nicht mehr wirklich verstehen. Die Mutter ist überzeugt, aus Liebe zu handeln, und für das Kind wird diese Liebe zum Gift, weil seine Bedürfnisse andere sind, als die Mutter gerade erfüllen will. Beide fühlen sich unverstanden und machen einander unglücklich, ohne es zu wissen, ohne es zu verstehen und ohne es verändern zu können. Beide fühlen sich mit Recht im Recht und tun sich beide unrecht.

Maaz, S. 27.

Abhilfe durch Narzissmus

Der innere Mangelzustand des Kindes muss zum Überleben ausgeglichen werden. Wie geht das? Durch Narzissmus! Die wachsende Anzahl an Narzissten in unserer Gesellschaft entsteht also durch den Mangel an Bedürfnisbefriedigung und nicht durch bedürfnisorientiertes Begleiten.

Narzissmus ist nicht, wie oft angenommen übertriebene Selbstliebe. Der unglückselige Narziss aus der griechischen Mythologie war nicht in sich selbst verliebt, sondern in seinen Spiegel (die Wasseroberfläche). Narzissten sind innerlich leer. Ihr „innerer Liebestank“ wurde nie aufgefüllt. So muss der Narzisst seine Mitmenschen als Spiegel missbrauchen und zwingt sie, ihn zu bestätigen. Das Helfer-Syndrom ist ein tolles Beispiel dafür. Viele scheinbar selbstlos handelnden Helfer in Sozialberufen nutzen die Rückmeldung der Hilfebedürftigen als Spiegel. Tragischerweise können sie so viel Lob, Anerkennung und Applaus ernten, wie sie wollen: Ihr innerer Liebestank bleibt leer, ihr positiver Selbstwert verloren.

Die Gesellschaft muss den wachsenden Massen an Narzissten mehr und mehr Möglichkeiten zur Ersatzbefriedigung schaffen. Maaz nennt sie sekundär-narzisstische Befriedigungsquellen. (Also Konsumgüter, Ablenkung, Zucker, Medienangebote etc.) Hier liegt der Grundstein für das Funktionieren unseres aktuellen Kulturmodells, dessen irrationales Expansionsverhalten die Erde als Lebensraum bedroht. (Vgl. Welzer)

So was kommt von so was.

Schön, auch mal in Zusammenhängen zu denken! (Siehe Harald Welzer: Selbst denken*.)

Gibt es eine Lösung?

Alles klar. Jetzt wissen wir mal wieder, wie es nicht geht und was für ein Problem wir haben. Doch was ist die Lösung?

Relativ einfach:

Eine ganzheitliche Persönlichkeit, die beide Anteile, Lilith sowie Eva, integriert. (Männer wie Frauen!)

Was heißt das konkret?

Die Lilith-integrierte Frau […] wird Mutter im Bewußtsein der damit verbundenen Einengung, […] was es ihr ermöglicht, dem Kind mit ihrer Begrenzung offen zu begegnen und den Schmerz über unvermeidbare Defizite wahrzunehmen und ausdrücken lehren kann. Die Lilith-integrierte Frau wird vor allem vor dem Kind zu bekennen wagen, daß sie auch Ablehnung [..] ihrem Kinde gegenüber empfinden kann, daß dies aber zuvörderst ihr Problem ist und daß es durchaus begreiflich, ja verständlich ist, wenn das Kind darauf mit Empörung und Trauer reagiert.

Maaz, S. 26.

Grenzen und Schattenseiten annehmen

Anstatt dich also permanent anzustrengen, die bestmögliche Mutter für dein Kind zu sein, lehne dich zurück und lerne dich selbst besser kennen. Deine Bedürfnisse, Ängste, Wünsche und Abneigungen ehrlich zu fühlen und gewaltfrei zu kommunizieren, macht nicht nur dich, sondern auch dein Kind stark.

Die ständig erfüllende, überglückliche Supermama gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Du brauchst dieses Ideal deshalb auch nicht anzustreben. Einer emotional ausgebeuteten Eva nachzueifern, ist kontraproduktiv. Lass los und gehe stattdessen gemeinsam mit deinem/r Partner(in) und deinen Kindern auf Entdeckungsreise.

Eine gefühlte Wahrheit wird dein Kind niemals schädigen. Verdrängte oder verleugnete Gefühle dagegen schon. Die Folgen sind Konflikte und (emotionale) Gewalt.

Und der Mann?

Ein mutterabgelöster Mann, der Lilith integriert, tritt seiner ebenbürtigen Partnerin arbeitsteilig entgegen, sieht sie als Ergänzung und Herausforderung. Er handelt aus sich heraus, ohne etwas beweisen oder bekämpfen zu müssen. Er muss nicht aus innerer Not heraus irgendetwas Großes erreichen, sich in Computerspiele oder Arbeit flüchten, sieht sein Kind nicht als Rivalen, macht seine Partnerin nicht zum Mutterersatz (die ihn bekocht und seine Hemden bügelt).

Die Gesellschaft lässt Mütter allein

Schwangerschaftsbetreuung und Geburtsvorbereitungskurse existieren en masse. Aber auf die Aufgabe als Mutter hat dich niemand wirklich vorbereitet. Obwohl eine echte Mutter zu sein, die schwerste Herausforderung im Leben ist.

Die subjektiven Erfahrungen mit deiner eigenen Mutter bieten dir nur begrenzte „Vorbildung“, weil die natürlich gespickt sind mit unbewussten Problemfeldern, Komplexen und Neurosen.

Das utopische Ideal

Aber was will ein Kind in den ersten Jahren?

Da es evolutionsbiologisch im Vergleich zu anderen Tieren nach neun Monaten Schwangerschaft eigentlich „frühgeboren“ ist, fordert es:

In den zwei/ drei ersten Lebensjahren immer mit der Mutter [Bezugsperson] zusammen sein und nach Bedarf gestillt/ gefüttert werden. Es braucht eine Mutter, die emotional anwesend und aufmerksam ist, sich selbst bewusst wahrnimmt, dem Kind empathisch begegnen und seine Bedürfnisse adäquat befriedigen kann. Ein Kind braucht zudem Halt gebende Orientierung und liebevolle Begrenzung.

Dein Kind will also im Grunde eine feste, sichere, echte Beziehung zu dir. Das könnte von deiner Seite her diese ungefähre (im Unterbewusstsein verankerte!) Einstellung bedeuten:

„Liebes Kind, ich will dich. Du bist hier willkommen. Ich will mit dir gemeinsam wachsen und herausfinden, wer du bist, wie du sein kannst, was du brauchst. Ich forme dich nicht, ich lasse dich aus dir heraus entwickeln. Ich brauche dich nicht für mich. Du gehörst dir selbst. Du bist mir nichts schuldig, nicht mal Dank. Ich gebe dir, ohne dafür etwas zu erwarten. Ich bejahe deine Ablösung. Ich bleibe immer dein Hafen. Ich akzeptiere, dass du anders bist als ich. Ich bin mir dabei bewusst, dass meine eigenen Mängel und Fehler Einfluss auf dich nehmen werden. Ich bin zu Auseinandersetzung bereit und werde mich auch von dir berühren und beeinflussen lassen. Wir werden uns dauerhaft miteinander weiterentwickeln.“

Innere Haltung vs. Äußerungen und Handlungen

Dabei ist die innere Einstellung deinem Kind gegenüber immer um ein Vielfaches wichtiger, als was du ihm sagst, zeigst oder bewusst vor ihm äußerst. Dein Kind hat permanent Zugang zu deinem Innersten! Wenn du dein Inneres verdrängst und nach außen hin einem supertollen Mutterideal nacheiferst, dann ist dein Kind umso mehr verwirrt – weil es zwei verschiedene Botschaften erhält. Nonverbal vielleicht Ablehnung, Genervtheit, Überforderung, aber verbal Zugewandtheit und Freundlichkeit. Das ist deinem Kind natürlich nicht bewusst, aber es hinterlässt Spuren und wirkt sich destruktiv auf seine psychosoziale Entwicklung aus.

Dass du dich wirklich fühlst und ehrlich selbst wahrnehmen kannst, ist also im Gegensatz zu allen verrückten Erziehungs- und Förderungstipps das A und O. Und auch das Allerschwierigste im Leben! Denn es bedeutet Schmerz, sich der eigenen Mangelhaftigkeit bewusst zu werden und die Verletzungen des inneren Kindes einzusehen. Sich als Eltern gründlich zu reflektieren, erfordert viel Mut und Kraft.

(Ständiges Verdrängen natürlich ebenso, ist nur halt ins Unbewusste outgesourced. Stattdessen kann man dann die Aufmerksamkeit des Physiotherapeuten in Anspruch nehmen, der den verspannten Nacken massiert.)

Da war aber noch was … genau, die Wirklichkeit!

Keine Mutter und kein Vater im Hier und Jetzt kann eine perfekte Bedürfnisbefriedigungsmaschine in den ersten drei Lebensjahren sein. Punkt. Einerseits ihrer persönlichen Grenzen wegen, andererseits wegen unserer sozialen Realität:

  • mangelhafte monetäre Unterstützung,
  • kaum emotionale Hilfe,
  • fehlende stabilisierende Netzwerke,
  • kaum gesellschaftliche Anerkennung, etc.

Wobei eins das andere bedingt: Emotional geschädigte Individuen bilden eine kranke Gesellschaft. Eine kranke Gesellschaft bringt wiederum geschädigte Individuen hervor.

Den Teufelskreis durchbrechen – wie geht das?

Durch Authentizität und Reflektieren. (Letzteres kann durchaus bedeuten: eine Psychotherapie zu machen.)

Im Klartext heißt das für dich und dein Kind Folgendes: (Das musst du ihm nicht direkt sagen. Wichtig ist deine innere Haltung.)

„Ja, du hast jetzt ein Bedürfnis. Aber ich kann es nicht befriedigen. Meine Grenze ist erreicht. Ich habe deshalb kein schlechtes Gewissen, sondern nehme es wertfrei an und akzeptiere es. Sowie ich deinen nun berechtigten Frust, Zorn und deine Traurigkeit und Enttäuschung wertfrei akzeptiere und aushalte.“

Klingt unscheinbar. Ist aber die Zauberformel, um den Lilith-Komplex zumindest hinsichtlich der Kinderfeindlichkeit aufzulösen.

Die kinderfeindliche Gesellschaft

Die Gesellschaft, als „Mutterkörper“ betrachtet, leidet gewissermaßen auch am Lilith-Komplex und verleugnet ihre Kinderfeindlichkeit. Denn es ist bittere Realität: Eine kinderfreundliche Umwelt sieht anders aus. Das Kulturmodell des expansiven Neoliberalismus (Harald Welzer) fordert Individuen, die sich als Leistungs- und Systemträger anpassen: Niemand darf lange am Arbeitsplatz fehlen, die Kinder müssen möglichst schnell von den Bezgspersonen getrennt werden und in Betreuungseinrichtungen und Schulen zu anpassungsfähigen, fügsamen Konsumenten und Produzenten geformt werden.

Wohin kann man heutzutage mit einem offenen, vitalen Kind gehen, ohne durch Vorwürfe, Ermahnungen oder gar Drohungen belehrt und eingeschränkt zu werden? Wie viele Anpassungen und Hemmungen müssen gesetzt werden, um in der Verwandtschaft akzeptiert zu bleiben? Wie viel Einschüchterung ist notwendig, um ein Restaurant zu besuchen? Wieviel Disziplin und Ordnung muß ein Kind mitbringen, um im Kindergarten akzeptiert zu werden, und wieviel Leistungswillen, um in der Schule bestehen zu können?

Maaz. S. 51.

Warum eine kinderfreundlichere Welt für uns alle wichtig wäre und wie sie aussieht, liest du in diesem Artikel über artgerechtes Familienleben.

Früher Kontaktverlust, Beziehungsarmut und Beziehungsmissbrauch verursachen so das „durchschnittliche“ Leid einer großen Anzahl an Kinderseelen. Unser Gesellschaft fehlt es an authentischen, gesunden, ehrlichen Muttervorbildern.

Den Lilith-Komplex auflösen

Mach also bitte nicht mit in diesem Zirkus des heiligen Mutterideals. Sei ein echtes, authentisches Vorbild für dein Kind. Bist du achtsam, wird dein Kind dabei dein bester Lehrmeister sein.

Es ist nötig, die Bedürfnisse deines Kindes zu akzeptieren, seine Reaktionen ernstzunehmen, seinen Gefühlsausdruck zu verstehen.

Klar ist es für dich angenehmer, wenn dein Kind dir gleicht, sich anpasst und brav ist. Allerdings hast du dann dein Kind auf tragische, unbewusste Weise verbogen und ihm die Entwicklung zu seiner eigenen Individualität verbaut, weil es den Kontakt zu sich selbst abgebrochen hat, um deinen Erwartungen zu entsprechen.

Sich mühevoll einfühlen, Leid und Schmerz entgegennehmen, Wut aushalten, unbändige Lebensfreude und saftige Lebenslust bejahen, das alles braucht eine kraftvolle, stabile und gesunde Mutter in sozial gesicherten Verhältnissen und in belebender Partnerschaft und in hilfreichen Freundschaften. Also, ein unerreichbares Ideal! Ja, aber deshalb nicht falsch, sondern eine Orientierung für einen Weg, der wesentlich über die Zukunft einer Gesellschaft entscheidet.

Maaz, S. 73.

Ich will jetzt nicht!

Eine Mutter hat mich mal gefragt: „Darf ich denn sagen, ich habe keine Lust, wenn mein Kind mit mir spielen will? Ich weiß ja, sie braucht mich. Ich habe dann ein schlechtes Gewissen und zwinge mich doch, mit ihr zu spielen.“

Ja, wie ist das? Darf eine Mutter sagen: Ich will nicht! Ich bin genervt! Ich bin jetzt leider nicht frei!

Und ob!

Aber kann die Mutter auch den angemessenen Gefühlsausdruck ihres Kindes darauf wertfrei aushalten? Darauf kommt es an.

Ein gesundes Kind wird auf offene Ablehnung mit Schmerz und Wut reagieren, die Mutter beschimpfen, weinen, toben, schlagen. Es hat in seinem subjektiven Empfinden damit ja auch Recht. Ja, richtig gelesen: Es ist richtig und wichtig, dass dein Klein(!)kind so reagiert. Wenn es in diesem Moment eben nicht rücksichtsvoll auf die „arme“ Mutter reagieren muss, dann schadet ihm diese Begrenzung absolut nicht.

Was ist denn aber die Realität? Wie oft muss ein Kind hören: „Du bist unmöglich! Wie benimmst du dich denn? Du musst das doch verstehen! Wie ungezogen du bist! Sei jetzt still! Jammere nicht!“

Das ist aber nicht die Wahrheit!

Die Wahrheit ist nicht: Du, Kind, bist schlecht! Die Wahrheit traut sich kaum einer zu sagen: Ich habe meine Grenze erreicht! Das hieße: „Ich bin gerade nicht für dich da, ich kann und will nicht. Ich füge dir damit Schmerz zu, deshalb ist es ok, wenn du weinst.“

Hier gibt’s mehr Inspirationen zur Begleitung großer Gefühle.

Du bist nicht perfekt und das ist gut

Du trägst deine dunklen Seiten in dir. Du kannst deinem Kind nicht alles geben. Es gibt keine – nicht mal annähernd! – perfekte Erziehung. Gestehe dir Fehler ein. Vergrab dein schlechtes Gewissen im Garten.

Akzeptiere dich und dein Kind in Unvollkommenheit. Das ist das Beste, was du tun kannst. Für dich, deine Partnerschaft und dein Kind. Und die gesamte Gesellschaft.

Entspannte Grüße

Anne

PS: Hat dich der Artikel bewegt? Ihn zu teilen kann die Gesellschaft ein Stück authentischer und mütterlicher machen. 🙂

Literatur:

Maaz, Hans-Joachim: Der Lilith-Komplex. Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit, dtv 2005.*

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Entwicklungstrauma, Erziehung, Gute Mutter, Mutterideale, Mutterstörung, Trauma

Comments (29)

  • Steffi Timpe-Conrad

    Liebe Anne,
    Ich bin durch Zufall auf deinen Artikel gestoßen: 1. ich lese selten längere Artikel, 2. lese ich aktuell selten überhaupt irgendwelche Artikel und 3. teile ich Artikel fast nie, weil Sie mir selten aus der Seele sprechen. Aber: ich bin sehr begeistert von deinem Artikel, habe ihn komplett gelesen und auch geteilt! Vielen Dank – entspricht mir total: ehrlich, klar, ungeschönt und gleichzeitig so voller liebevoller Impulse! Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Artikel- du hast einen neuen Leser Alles Gute dir!

    • Liebe Steffi,
      ich danke dir herzlich für das tolle Feedback. Wie schön, dass diese Gedanken dich bewegen!
      Auch dir alles Gute und liebe Grüße
      Anne

  • Liebe Anne,
    mir geht es ähnlich wie Steffi, was lange Artikel betrifft. Aber auch ich war gefesselt und habe ihn bis zum Ende gelesen. Neben mir schläft derweil meine 4 Monate alte Tochter und wie es aussieht hält dieser süße Schlaf noch ein paar Minuten an, sodass ich dir 1. für die Denkanstöße danken kann und 2. Mich gerade entsetzt frage, was ich wohl alles falsch mache…
    Ich weiß, dass ich mein Baby auch viel zu früh in die Fremdbetreuung geben werde, weil es finanziell erforderlich ist (ist es das??).
    Aber auch für diese Situation gibt mir dein Artikel Perspektiven. Wie ich vor allem die Stunden des Tages mit meiner Tochter verbringen will, die uns dann gemeinsam bleiben.
    Vielen Dank für die verständliche Zusammenfassung, über die ich mit Sicherheit noch ein paar mal reflektieren werde.

    • Liebe Melanie,
      hab vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ich kann dich verstehen: Ich geißle mich auch manchmal selbst, indem ich mir meine Fehler vorhalte. Aber genau das bringt weder uns noch unseren Kindern etwas.
      Jesper Juul empfiehlt, sich öfter auf das zu konzentrieren, was gut läuft, anstatt sich selbst zu zerfleischen.
      Und auch wenn ein Kind aus wirtschaftlichen Gründen früher zur Tagesmutter oder in die Krippe geht, als es ihm gut tun würde:
      1. Zählt viel mehr die Qualität eurer Beziehung in der Zeit, die ihr gemeinsam verbringt.
      Und 2. rechnet die Natur von vornherein nicht damit, dass unsere Kinder im sorgenfreien Paradies aufwachsen. Kinder sind trotz allem nicht aus Zucker. Der wunderbare Herr Renz-Polster sagte in einem Interview mal so schön: Es zählt das Gesamtkunstwerk – und nicht jeder Pinselstrich.

      Fehler machen wir alle – sie gehören zum Leben. Nutzen wir sie doch als Geschenk, um an ihnen zu wachsen. Und vertrauen wir auf die Kraft, Intelligenz und innere Stärke unserer Kinder, die es ihnen ermöglichen werden, ihren eigenen Weg zu gehen. 🙂

      Ich wünsche dir eine wundervolle Zeit mit deinem kleinen Schatz.
      Alles Liebe
      Anne

  • Liebe Anne,
    Ich habe selten so einen ehrlichen und lehrreichen Artikel gelesen!! Ich musste immer wieder Pausen machen und nachdenken. Es hat zum Teil sehr weh getan gewisse Zeilen zu lesen, weil mir bewusst wahr was ich alles falsch gemacht habe bei meinen Kindern!

    Danke, danke, danke!! Du bist meine Heldin, meine Retterin!!

    • Liebe Vera,
      stell dir vor, wie mich auch dein Kommentar bewegt! Danke für die Rückmeldung und auch dafür, dass du so offen deine Gedanken teilst.

      Danke dir auch selbst, wie mutig du dein Handeln reflektierst. Brüche gibt es in jeder Mutter-Kind-Beziehung, und es kommt weniger auf die “Fehler“ (was für ein hartes Wort!) an, als vielmehr auf das Bemühen, sie zu korrigieren. (So ermutigt uns die englische Therapeutin Philippa Perry in ihrer Arbeit.)

      Von Herzen Danke und liebe Grüße
      Anne

  • Hallo Anne,
    ich habe auch noch nie ein Feedback abgegeben. Ich lese das Ein oder Andere über Muttersein. Aber Deine Ausführungen gehen durch und durch, sind nachvollzieh- und lesbar. Weiterhin gibst Du mit Deinen Worten auch Beruhigendes mit.
    Ich bin extrem sensibel und nehme mir alles total zu Herzen. Gleichzeitig reflektiere ich dann aber auch wieder und versuche es sachlich einzuordnen. Ich hatte auch immer das Gefühl keinen richtigen Kontakt zu meiner Mutter zu haben. Sie war nicht präsent in meiner Kindheit. Das wurde mir später bewusst. Insgesamt ist Dein Artikel deshalb für mich auch aufklärend und bereinigend und ich kann es versuchen für meine Kinder 9 und 1 besser zu machen.
    Vielen Dank für die tolle Leistung und Hingabe an das WORT!

    • Liebe Tanja,
      hab vielen Dank für deine Worte und auch herzlichen Glückwunsch dazu, dass du so mutig bist, ehrlich zu reflektieren, obwohl das weh tun kann.

      Ich wünsche dir und deinen beiden Kindern alles Gute!
      Anne

  • Liebe Anne
    Was ein wunderbar wahres Werk!
    Inspirierend und befreiend zu gleichen Teilen!
    Ich könnte jetzt gar nicht alles in dieses Kommentar packen,was ich hier wieder finde an parallelen und Erkenntnissen.
    Eines möchte ich nur kurz erwähnen.
    Meine Kinder 10 und 11 Jahre, finden es zwar manchmal doof und dennoch überhaupt nicht schlimm wenn Mutti mal keine Lust hat spazieren zu gehen oder ähnliches und dafür bin ich unglaublich dankbar!
    Jeder darf ein eigenständiges Individuum sein und leben, auch wenn es dann mal hoch her geht und Kompromisse getroffen werden müssen.
    So lohnt es sich !

    Ich danke Dir!

    Liebe Grüße

    • Liebe Petra,
      ich danke auch dir für deine Worte und dass du deine Gedanken hier teilst.

      Alles Gute für dich und deine Familie!
      LG Anne

  • Hallo.
    Ich kann da überhaupt nicht zustimmen mit dem ersten Teil.
    Gott hat Adam und Eva erschaffen und davor war keine Lilith oder sonst was.
    Die Bibel ist und bleibt das Wort Gottes und alles was darin steht ist wahr. Auch wurde dort nichts entfernt.

    Ich wünsche einem jeden Menschen das er Gott in seinem Leben erfährt.

    Lg

  • Liebe Anne!

    Ich bin bei Pinterest über Deinen Artikel gestolpert und habe ein paar Sekunden gehadert, ob ich ihn lesen will, weil ich nicht sicher war ob mich reißerisch aufgemachtes Bla Bla oder wertvoller Inhalt erwarten würde.
    Ich habe mich dafür entschieden und mit Herzklopfen und angehaltenem Atem gelesen.
    Mein Sohn ist 14 Monate alt und es ist das erste Mal, dass ich etwas gelesen habe, dass mich in meinem Handeln bestätigt.
    Entgegen den üblichen Empfehlungen von Ärzten, Hebammen, Literatur, Freunden und Familie habe ich mich intuitiv für aufrichtige und bedingungslose Nähe entschieden. Er war noch nie ohne mich, kann immer nach Bedarf an die Brust und schläft auch heute noch nicht ohne mich.
    Ich schreibe das hier nicht um mich toll darzustellen, sondern um unsere Situation zu schildern, für die ich belächelt und kritisiert werde. Und ja, es ist nicht immer einfach, aber aus meiner Überzeugung das Richtige für uns. Dafür habe ich in aller Konsequenz auch meinen Job gekündigt, und das als Alleinverdiener unserer Familie.
    Wir sind glücklich so.
    Ich danke Dir für diesen groß- und andersartigen Artikel und die ungemeine Bereicherung!
    Eine Frage, die sich mir stellt ist allerdings die nach der eigenen Erfahrung, da ich ohne Mutter aufgewachsen bin…
    Mit herzlichen Grüßen,
    Nicole

    • Liebe Nicole,
      offen gesagt habe ich auch MEHR als ein paar Sekunden gezögert, eine so reißerische und “billige“ Überschrift bei Pinterest für den Artikel zu wählen. Aber sie funktioniert! Und er führt Mütter wie dich hier hin: um bestärkt zu werden. Darüber freue ich mich!

      Vielleicht ist es gerade der innere (unbewusste?) Schmerz darüber, dass dir die Mutter gefehlt hat, der jetzt dazu führt, dass du dein Kind vor ähnlichem schützen möchtest? Und deshalb von Herzen wie eine Löwin alles gibst, um für Geborgenheit und liebevolle Sicherheit zu sorgen? Nur so ein Gedanke … 🙂

      Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für dich und deine Familie.
      Geht euren Weg.

      Und danke für dein wertvolles Feedback.
      Anne

  • Hallo Anne,
    ein interessanter Artikel, ich stimme zu, dass man sich als Mutter schnell selbst verlieren kann und es wichtig ist seine eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick zuverlieren.
    Daher finde ich es auch gut, dass Frau ihr Kind auch in die Kita geben kann, um wieder zu arbeiten. Es geht nämlich nicht nur ums Geld, ich arbeite sehr gerne. Und wenn ich mit meiner Arbeit zufrieden bin und auch wenn ich unzufrieden bin, bin ich glücklicher im Familienleben. Meine Arbeit ist ein schöner Teil meines Lebens, den ich nicht missen will. Zudem lehrt die Kita Kindern nämlich auch sehr viel und tut ihnen gut. Und Frau kann durchaus ein gutes Gleichgewicht zwischen Kitabetreuung und Mamabetreuung finden. Ein Kind kann von vielen Personen Geborgenheit erfahren (Vater, Großeltern, Tanten Onkel, Erzieher, Familienfreunde). Und wo bleibt die Rolle des Vaters in den ersten 3 Jahren? Stichwort Elternzeit? Es ist ziemlich altbacken alle Zuneigung und Entwicklung auf die Mutter abzuwälzen.
    Zudem finde ich es unerträglich, wie das Stillen geradezu glorifiziert wird. Das gehört für mich auch zum falschen Idealbild der perfekten Mutter. Das Stillen ist das Beste für Ihr Baby!!!! Ja und nein. Wenn Frau unter dem Stillen leidet, weil die Brustwarzen so wund sind, dass Blut kommt, dann sollte sie auf sich hören und das Baby auch nach 10 bis 15 min abdocken und nicht sich selbst aufopfern, weil das Kind gerade ein Nuckelbedürfnis hat (Oxytozinbildung hin oder her). Und man vermittelt dem Baby bestimmt nicht: „Nimm mir meinen Schmerz“.
    Beim ersten Kind habe ich noch gedacht, ich darf kein Fläschchen geben, andere schaffen es doch auch. Und mein Baby hat sich abends gar nicht mehr beruhigen lassen, an der Brust war alles leergenuckelt, die Brust hatte keine Zeit wieder Milch zu bilden. Beim zweiten Kind habe ich in den ersten vier Wochen abends um 9 Uhr ein Fläschchen gegeben, mit schlechtem Gewissen. Dann konnte Mama und Baby 4 Stunden schlafen und uns ging es beiden besser. Nach vier Wochen hat sich alles eingespielt und ich konnte voll Stillen. Und ich habe viel lieber gestillt.
    Beim ersten Kind hatte sich nach Monaten das Stillen auch eingespielt, aber die Breieingewöhnung ging gar nicht, es hat sich nachts alle zwei Stunden Milch geholt und tagsüber nichts gegessen. Mama war am Ende. Meine Hebamme hat mir im 8. Monat geraten abzustillen und ich war froh. Ich habe für mich gelernt. Ich bin eine gute Mama, auch wenn ich nicht die perfekte Milchkuh bin. Und Nähe und Zuneigung gibt eine Mama nicht nur über die Brustwarze!
    Zum Kinderkriegen und Muttersein gehört für mich ganz viel Akzeptanz gegenüber dem Individum Kind. Dem fertigem Charakter, der bereits angelegt ist, der ist nicht formbar und Akzeptanz gegenüber sich selbst. Aber mich regt es auf, alles auf diese ersten 3 Lebensjahre zu fixieren. Als würde in diesen alles in Stein gemeißelt sein. Nein. Jeder arbeitet ein Leben lang an sich selbst und der Mensch kann sich ändern. Dieser Aspekt fehlt mir bei dieser psychoanalytischen Weltsicht auch. Zudem lernt man mit jedem Kind dazu.
    Und bezüglich der Frau in der Gesellschaft und ihrem Lilithkomplex…
    Was ist jetzt der Lösungsansatz für die im Konflikt zwischen Mamarolle und Freiheitsliebe feststeckende Mama?
    Die Frauenbewegung in unserer westlichen Welt ist noch sehr jung. Begann vor ca. 100 Jahren. Dass gesellschaftlich !breit! akzeptiert wird, dass Frauen freiwillig und gerne arbeiten und ihr eigenes Leben leben können, ist erst in unserer Generation wirklich so. Es gibt diese Lilith noch gar nicht so lange, zumindest nicht soviele davon.
    Vielleicht sind wir in manchen Dingen zu viel Eva und in manchen zu viel Lilith, aber wir sind schon auf einem guten Weg. Lassen wir uns und unserer Gesellschaft noch etwas Zeit, vielleicht werden es unsere Töchter und Söhne noch besser machen als wir. Schließlich gibt es die perfekte Gesellschaft genausowenig wie die perfekte Mutter. Man kann an beidem nur arbeiten. Und das geht nur, wenn man nicht ein Frühkindlichen-Traumastempel auf den Kopf gedrückt bekommt.
    Und wenn man schon die eigene Unzulänglichkeit als Mutter der fehlenden/falschen Mutterliebe der eigenen Mutter zuschreibt und dies alles in ein biblisch-christliches Menschenbild verpackt, dann sollte man auch den ersten Grundsatz des Christentums anwenden und als ersten Schritt seiner Mutter vergeben! Denn nur dann kann man sich mit der eigenen Mutterrolle auch wieder versöhnen.
    Liebe Grüße Monika

    • Liebe Monika,
      danke dir für deinen Kommentar – dass du dir die Zeit genommen hast, deine Gedanken hier zu teilen.

      Ich stimme dir zu, dass es richtig und wichtig ist, seiner Arbeit zu folgen, wenn sie für einen selbst erfüllend und sinnstiftend ist. Sicherlich ist es auch für das Kind besser, eine Stunde länger in der Kita zu sein und dafür von einer gut gelaunten Mama abgeholt zu werden. Überhaupt geht es immer mehr um die Qualität der Beziehung als um die praktischen Umstände.
      Der Grund, warum die ersten 2 oder 3 Jahre aus psychoanalytischer Sicht immer so in den Vordergrund gerückt werden, ist, dass die meisten Störungen nunmal darauf zurückzuführen sind. Je früher das Trauma, umso größer die Auswirkungen. Das soll aber kein Diagnosestempel sein, der den restlichen Lebensweg bestimmt. Du hast völlig Recht – wir alle meistern unser Leben und packen es an, obwohl wir nicht als Babys und Kleinkinder in Watte gepackt durchs Paradies gepurzelt sind. Aber das Bewusstsein zu erweitern und eigene Handlungssmuster und deren Ursachen zu erkennen, kann eben gerade der Schlüssel dazu sein, sich von diesen frühen Wunden zu heilen. Deshalb sehe ich das eher aus einer positiven Perspektive.

      Und ich stimme dir auch hierin zu: Väter, BetreuerInnen, Verwandte – die können alle ebenso feste und liebevolle Bezugspersonen sein, die Halt und Geborgenheit geben. Aber an Väter ist der Blog nicht primär gerichtet. Und um die Beziehungen zu anderen Personen ist es in unserer heutigen Gesellschaft schwierig bestellt: Eine Bekannte ist mit ihren deutschen Ärzteeltern in einem afrikanischen Dorf aufgewachsen. Dort herrschten Bedingungen, die Nicola Schmidt als artgerecht bezeichnen würde – alle Nachbarn und Verwandten bildeten zusammen eine große Familie. Dadurch lastete viel weniger Druck auf der einzelnen Mutter und die Kinder hatten zu vielen Bezugspersonen herzlich warme Beziehungen.
      (Übrigens noch mal zu den Vätern ein Bild, das Maaz geprägt hat: Er sieht die Mutter als sicheren Hafen und den Vater als Boot, das dem Kind die Welt da draußen schmackhaft macht. Und Maaz sieht Mütterlichkeit nicht als Ding der Frauen. Auch er ist der Meinung, dass auch Väter Mütterlichkeit geben können.)

      Davon abgesehen ist der Artikel im Grunde eher aus der Sicht der Kinder geschrieben. Maaz hat noch ein Extrakapitel mit dem Titel „Verständnis für die Mütter“. Und ganz richtig: Vergebung ist immer auch für den Vergebenden ein Geschenk. Nur darf man gerne auch hier differenziert denken und fühlen und Vergebung nicht mit Verdrängung gleichsetzen. Das kann heißen: Ich weiß um die Fehler meiner Mutter, ich habe zum Teil darunter gelitten und fühle den Schmerz. Aber zugleich empfinde ich unendliche Dankbarkeit, Liebe und Wohlwollen ihr gegenüber. Ich vergebe ihr alles.
      Die Auseinandersetzung mit den „inneren Eltern“ ist ja etwas anderes als der Umgang mit den „realen Eltern“.

      Außerdem ist es auch völlig richtig, dass Brüche in der frühkindlichen Entwicklung mit guter Beziehung wieder geheilt werden können. Eine schöne Anleitung dazu gibt die englische Therapeutin Philippa Perry oder auch die Traumatherapeutin Dami Charf. Bei all diesen Autoren geht es nie um Stempel, sondern um lösungsorientierte Beziehungsarbeit, um Wohlwollen, Wertschätzung und Liebe.

      Und wie du schon sagst: Beziehung und Liebe: Das geht auch mit Fläschchen statt mit Brust. Ich habe genau wie du eine verkrampfte gescheiterte Stillbeziehung hinter mir (nach drei Wochen vorbei!) und erlebe jetzt eine entspannte, glückliche Stillzeit, die schon fast zwei Jahre andauert. Auch ich habe am Anfang unter dem Druck „stillen zu müssen, wenn’s gut werden soll“ gelitten. Deshalb stimme ich völlig zu, dass auch dieser Trend mehr Druck aufbaut, als gesund ist. Gleichzeitig merke ich aber aus eigener Erfahrung, dass das nicht sein muss. Mit liebevoller Unterstützung und viel Entspannung, wohlwollender Beratung und Vertrauen in sich selbst, ist Stillen kein Kampf, sondern etwas Natürliches, Leichtes.

      Ich danke dir noch mal für deine ausführliche Rückmeldung. Ich bin ganz bei dir, wenn es um
      – Druck raus
      – Vergeben und
      – Leben
      geht.

      In diesem Sinne wünsche ich dir und deiner Familie alles Gute
      Anne

  • Hallo,
    Ich bin immer einfach Mutter und Frau. Beides braucht seine Zeit. Ich habe gespielt, geschmust, aber auch oft „Nein“ gesagt. Wir leben das alles in unserer Gemeinschaft, wie in einer WG. Jeder hat Rechte, aber auch Pflichten. Wenn einer alle anderen nervt, erfährt er das von den anderen und auch, wenn er etwas gut gemacht hat. Damit fahren wir sehr gut. Hier wird auch geschimpft und auch beleidigt, denn Emotionen sind genau das.
    Ich habe Mitleid mit Kindern, die keine Grenzen bekommen. Wie sollen sie Partner werden, wenn die Mama schon auf dem Zahnfleisch läuft um dem Sprössling alles zu geben und zu erlauben und bloß alles richtig zu machen, damit der Terrorzwerg happy ist. Mütter sind Frauen und Frauen sind Menschen, wenn mich mein Kind also nervt, teile ich es ihm auch mit, sowie er mir das auch sagt, wenn ich hektisch, oder gestresst bin und ihn das nervt.
    Dafür habe ich mich nie auf Endlosdiskussionen, auf „Augenhöhe“, im Supermarkt eingelassen, kann das, bis heute nur belächeln, wenn ich das beobachte. Als Mama muss man auch Leittier sein und Sicherheit vermitteln und da zählen gemeinsame Absprachen. Das ist wichtig für Kinder, sonst kommen sie später einfach nicht klar, wenn der Boss auf der Arbeit etwas verbietet z.B..
    Meine Nichte ist 4 Jahre alt. Mit ihr kann man schlichtweg weder essen gehen noch etwas unternehmen, weil sie kein Nein kennt, sie macht genau das Gegenteil, auch in gefährlichen Situationen. Ich verurteile ganz klar die Eltern, denn das geht gar nicht.
    Für das Kind ist das unmöglich, es ist ein ständiges Gequängel, Unruhe und Frust, nur weil Mama vor anderen ihre Tochter nicht maßregeln möchte, wegen der Erniedrigung. Dafür sind sie sozial völlig isoliert, denn keiner braucht dieses Kind zuhause und als Paar sind sie tot. Ich finde jeder von uns hat einen Instinkt und soll diesem nachgehen, ohne diese ständigen Ratgeber zu lesen. Das klappt überall in der Natur, also warum nicht bei uns. Mein Jüngster hat „ADS“( ich setze das extra in Klammern), mich haben alle Lehrer belästigt mit Tabletten, die er doch nehmen solle. Von einer Amtsärztin habe ich sogar gehört, daß ich seine Zukunft zerstöre, ohne Tabletten. Er könne Abitur machen. Ich teilte ihr mit, dass mir ein Abitur egal ist, er soll einfach glücklich sein und sein Ding durchziehen und er muss kein Manager werden, weil er der Typ gar nicht ist und schon gar nicht mit irgendwelchen Dopingpräparaten. Max ist mittlerweile an einer privaten evangelischen Schule. Er ist in der Werksrealschule mit 8 Klassenkameraden. Sein Notendurchschnitt ist bei 2 und er ist glücklich, auch wenn die Gesellschaft gerne gesehen hätte, dass er Abitur macht. Mein ältester Sohn ist hochbegabt und macht Abitur und studiert danach Luft und Raumfahrttechnik, nicht weil er das muss, er macht das um sein Gehirn weiterhin zu beschäftigen. Dafür ist er eher der authistische Mensch, ohne viel Emotion.
    Ich habe beide sehr lieb, auch wenn sie grundverschieden sind. Aber wichtig ist, dass sie ihren Weg gehen, ohne den Druck anderer. Wenn Euch irgendetwas sagt, das es nicht richtig ist, dann macht es nicht.
    Liebe Grüße,

    Nadine

  • Hallo Anne,
    auch wenn ich zustimme, dass man als Mutter nicht die Erwartung an sich stellen soll, immer perfekt zu sein, ist deine Darstellung der christlichen Geschichte nicht richtig. In der Bibel werden Adam und Eva als erste Menschen geschaffen. BEIDE sind als Abbild Gottes geschaffen.
    Gott wird in der Bibel auch nicht (nur) als Gottesvater dargestellt, sondern hat auch mütterliche Attribute, die auch als solche deutlich geäußert werden.

    Liebe Grüße
    Susanne

    • Liebe Susanne,
      danke für deine Rückmeldung.
      Die Darstellung bezieht sich natürlich nicht auf den Inhalt der Bibel selbst, sondern auf den Mythos vor dem Prozess des Schreibens durch die Apostel. Zu dieser Mythologie gibt es einen breiten Forschungszweig, und Maaz hat sich dessen bedient, um seine Psychoanalyse zu verbildlichen. Er schreibt selber, dass auch Männer, die Familie selbst oder ganze Gesellschaften mütterliche Attribute haben können bzw. sollten.
      Er widerspricht in seinem Buch weder den Inhalten der Bibel noch stellt er den „Gottvater“ irgendwie negativ dar.
      Das gleiche macht Maaz mit anderen Figuren:
      Der Mythos des Narziss z.B. wird in seinen Ausführungen mit noch einigen anderen Gottheiten immer nur als Bild benutzt, um die Grundidee zu symbolisieren.

      Dass er Figuren aus allen möglichen Mythologien entnimmt, soll, so wie ich ihn verstehe, niemanden in seinen religiösen Wertvorstellungen kränken. Zumindest möchte ich das nicht. 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

  • Liebe Anne,
    Herzlichen Dank für diesen erfrischend ehrlichen Artikel! Ich habe ihn mit Begeisterung gelesen und fühle mich in meinem Tun dadurch sehr bestätigt.
    Die Geschichte mit Adam, Eva und Lilith hat mich dabei nicht besonders angesprochen, so werde ich das Buch kaum lesen.
    Die Schlussfolgerungen, die du (und der Autor des Buches) daraus gezogen haben, sprechen mich total an. Auch wenn es vielleicht den Druck auf die Mütter noch grösser werden lässt. Ich finde es schwierig zu kommunizieren, dass es viel wichtiger ist, bei sich selbst hinzuschauen, als Tipps für den Umgang mit dem Kind zu sammeln. In diesem Artikel hast du das aber geschafft. So glaube ich zumindest.
    Danke nochmals für dieses tolle und inspirierende Stück.

  • Liebe Anne,
    auch ich bin kein Familienratgeber-Leser. Durch Zufall sah ich den Artikel, der mich schon nach wenigen Sätzen begeisterte. Ich bin ein bisschen erleichtert, dass ich nicht alleine mit meinem Denken bin, für das ich oft verurteilt werde. Aber doch ein bisschen wehmütig, weil ich mich doch oft ertappe mich in die Gesellschaft integrieren zu müssen. Ich danke dir für deinen Artikel, der mich noch mehr in meinem Denken gestärkt hat. Liebe Grüße Steffi

    • Liebe Steffi,
      danke dir für deinen Zuspruch. Ich freue mich sehr darüber!
      Ich wünsche dir, dass du dich nicht mehr alleine fühlst und deinen Weg findest zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und deinem eigenen Weg. Vielleicht lesen wir zu diesem Zweck hier mal wieder voneinander. In der Kategorie Mutter sein habe ich einige Inspirationen gesammelt, um Mütter zu bestärken.
      Mach dein Ding und alles Liebe dir!
      Anne

  • Hallo zusammen, ich muss ehrlich sagen dass ich schockiert bin unter was für furchtbaren gesellschaftlichen Zwängen viele stehen. All diese Dinge sind mir als Baby nicht angetan worden und auch mir gibt keiner solche Ratschläge oder noch schlimmer verurteilt mich für das tragen meines Babys oder nicht schreien lassen.
    Was die Bibel damit zu tun hat verstehe ich ehrlich gesagt nicht, denn die Schöpfungsgeschichte ist genau das: Eine Geschichte! Und das wird auch so von der christlichen Kirche bestätigt. Es gab Adam und Eva nicht. Genauso wenig gab es Lillith. Wer genaueres dazu lesen möchte sollte sich Bücher von Historikern und Theologen zu diesem Thema durchlesen.
    Das eine Mutter aufgrund eines gesellschaftlichen Zwangs ihrem Baby nicht genug Liebe schenkt ist furchtbar. Der Bibel und der Kirche dafür die Schuld zu geben finde ich übertrieben.

    • Hallo Julia,
      danke dafür, dass du deine Gedanken hier teilst. Und es ist schön zu lesen, dass du offensichtlich ein glückliches Baby sein konntest und das jetzt auch weitergeben kannst. Aber genau das ist der Punkt: Wenn wir das selbst nicht erfahren haben, dann verkrüppelt unser Empathievermögen und wir haben keinen Zugang mehr zu einer positiven Intuition.
      Das Problem erkläre ich genauer in diesem Artikel:
      https://www.weltfremd.net/hitler-im-herzen-wie-erziehung-dich-und-dein-kind-traumatisiert-16/
      Der Beitrag erklärt, dass eben nur das eigene Entwicklungstrauma dazu führt, dass wir die gleichen Fehler mit unserem Kind wieder machen – wenn wir nicht aktiv dagegen ankämpfen.

      Die Bibel hat mit allem gar nichts zu tun. Es geht um die christliche Mythologie und nicht um die Inhalte der Bibel. (Denn da kommt Lilith wie gesagt nicht vor.) Maaz benutzt die Figuren als Symbole, um seine Theorie leichter verständlich zu machen. (Leicht verständlich und Maaz in einem Satz. Wow. 😀 ) Und unsere christlich geprägte Gesellschaft fußt auf Symbolen (wie auch jede andere Kultur) – die für verschiedene Wertesysteme und Traditionen stehen. Menschen sind Kulturwesen und unterliegen in ihrer Individualität stark den Einflüssen der sie umgebenden Kultur. (Diesen Einfluss zu leugnen, heißt vielleicht, sich charakterlich unabhängiger zu fühlen, als man tatsächlich ist.)
      Der Vergleich mit Adam, Eva und Lilith ist nur Stilmittel, eine Methapher. Mehr nicht.

      Und „Schuld“ ist im Zusammenhang mit dem Thema Entwicklungstrauma ein schwieriges Wort. Nur jemand, der selbst Opfer von Vernachlässigung, Gewalt oder „falscher“ Mütterlichkeit etc. gekommen ist, kann selbst auch zum „Täter“ an seinem Kind werden. Von daher sehe ich das tatsächlich mehr als tragisch … Ein weites Feld!

      Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.
      Viele Grüße
      Anne

  • Hi Anne,

    Ich bin keine Mutter, hatte aber Mitleid mit meiner als ich den Artikel ließ. Ich bin streng Mennonitisch aufgewachsen und die Folgen spüre ich immer noch, auch wenn ich keine schlechten Eltern hatte höre ich immer noch im Kopf: ein Mädchen macht das nicht… vllt wollte ich deshalb immer mehr Lileth als Eva sein. Ich sei zu wild wurde auch viel gepredigt, naja heute denke ich oft fuck you wenn das jemand zu Kindern sagt und ich es höre. Tatsächlich hab ich mit 28 immer nochnicht das Bedürfnis selbst biologische Mutter zu sein. Ich bin der Ansicht übermäßig viele Menschen sind nicht das was die Welt braucht. Tja interessant wie tief in der Gesellschaft verankert ist wie altmodisch eine Frau zu sein hat. Kaum einer versteht, dass ich lieber einem Kind die Chance geben möchte eine Familie zu haben als selbst biologische Mutter zu sein. Allerdings hat mir der Artikel viel zu denken gegeben wie mich mein Muttertrauma geprägt hat und wie es das bei meinen eventuell noch kommenden Pflege/- Adoptivkindern vllt viel kaputt macht aufgrund dessen was Sie vor mir oder durch mich erleben könnten, wo ich dann nur versuchen kann das zu sein was das Kind aufgrund dieses Traumas braucht. Also in erster Linie denke ich sollte eine Mutter da sein und ihr Kind unterstützen es selbst sein zu dürfen, der Rest kommt von alleine.

    • Hallo Marina,
      danke dür deinen Kommentar und deine offenen Worte. Die bewegen mich. Ich finde, du bist eine tolle Frau, dass du der Menschheitsfamilie/ der Welt so einen großen Gefallen tust und mit dem Gedanken spielst oder das Ziel hast, Pflegekindern ein sicheres Zuhause zu geben. Das finde ich richtig stark. Vielleicht würde es uns allen – mir eingeschlossen – mal gut tun, weniger auf die Probleme und Schwierigkeiten zu schauen. Stattdessen können wir das Wissen um Trauma dazu nutzen, für unsere Mütter, für uns selbst, für unsere Kinder mehr Mitgefühl zu entwickeln, und danach eher die positiven Dinge in den Vordergrund rücken. Z.B. dass du einem Kind, dass es woanders sicherlich nicht leicht hatte, ggf. mal das geben wirst, was du in diesem Moment eben zu geben imstande bist. Und ich denke, das ist mehr als genug. ♥

      Ich wünsche dir alles Gute – egal, wie sich dein Weg entwickeln wird. Ob mit Kindern oder ohne Kinder und ob biologisch oder in Pflege.

      Anne

  • DANKE!
    Ich bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen und bin sehr berührt! Diesen Anstoß zum Umdenken habe ich gerade einfach gebraucht. Ich habe noch keine Kinder. Weil ich mir der Konsequenzen für mich, meine Beziehung und mein Leben bewusst bin, war ich mir in letzter Zeit trotz langjährigem Kinderwunsch sehr unsicher, ob ich wirklich Kinder zur Welt bringen sollte… Denn es bestünde ja die Gefahr dass ich keine gute Mutter bin. Immerhin habe ich keine rosarote Brille auf und bin mir sicher dass ich keinen „Heile-Welt-Schein“ aufrecht erhalten könnte. Augenscheinlich die falsche Grundeinstellung und unpassende Voraussetzungen.
    Aber es stimmt einfach, es ist nicht gleich schlecht authentisch zu sein! Weder für das Kind noch für das Umfeld. Der Beitrag hat mir die Augen geöffnet und nun zu meinem ersten Kommentar überhaupt geführt 🙂
    DANKESCHÖN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Erhellende Post direkt ins Mailfach

Du willst keinen Artikel verpassen? Dich gemeinsam mit deinem Kind weiterentwickeln und dir ein erfüllendes Familienleben gestalten? Dann sei mein Gast im Newsletter. Kein Spam und nur dann, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt.

Ich bin Anne, leidenschaftliche Onlinejournalistin und immerfort lernende Mutter zweier Kleinkinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich für mehr Mütterlichkeit und eine wärmere Gesellschaft ein. ♥

Mamablog | WELTFREMD | Selbstreflexion für Mütter | Mama gut. Alles gut. | Beziehungsorientierte Familie | Entwicklungstrauma | Selbstfürsorge für Mütter

Lass uns in Kontakt bleiben


Mit ♥ gemacht von Anne. Alle Rechte vorbehalten.