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Das Plädoyer einer Pusteblume

Du wünschst deinem Kind Selbstbewusstsein, Liebe und ein zufriedenes Leben in einer solidarischen, nachhaltigen Gesellschaft.

Ich meinen Kindern auch. Da sind wir schon mal (mindestens) zwei.

Was ist aber die Realität? Du stößt mit deinen Launen, Kraftreserven und Nerven täglich an die Grenzen deiner Erziehungsideale.

Du fühlst dich überfordert und genervt von gut gemeinten Ratschlägen.

Große Erwartungen der „Anderen“ setzen dich und dein Kind unter Druck.

Du merkst, dass Kindergarten, Schule und die Verwandtschaft unglaublich viel Anpassungsfähigkeit verlangen.

Dein Herz sagt dir oft etwas anderes als dein Verstand.

Die Kinderbuchhelden eurer Gutenachtgeschichten vermitteln Liebe, Freundschaft, Verständnis, Gemeinwohlorientierung und Individualismus.

Die Gesellschaft ist aber geprägt von Egoismus, Ellbogenmentalität, Widersprüchen und Selbstzerstörung.

Blöd.

Aber du allein kannst eh nichts ausrichten. Die Welt ist nun mal schlecht.

Wirklich?

Selbst denken

Knapp daneben! Für gesellschaftlichen Wandel reicht schon eine kritische Menge von 3–5 % aus (Vgl. Harald Welzer: Selbst denken*). Damit eine soziale Bewegung Veränderung bringt, braucht es keine absolute Mehrheit, die sich für oder gegen ein bestimmtes Ziel engagiert. Vielmehr haben auch Impulse von recht kleinen sozialen Gruppe zum Teil große Auswirkungen. Gerade in Zeiten viraler Aufmerksamkeit über moderne Medien bekommt der kleine Stein, der viel ins Rollen bringt, eine neue Bedeutung. Aber auch zuvor – in Zeiten der Ökologiebewegung, der Frauenbewegung, der 68er – hatte in friedlichem Einsatz für eine bestimmte Sache oftmals eine kleine Gruppe nachhaltigen Einfluss auf gesellschaftliche Verhältnisse.

Wo ist der Glaube an uns selbst?

Harald Welzer trifft uns in Selbst denken* an vielen wunden Punkten. Einer davon: Wir glauben nicht mehr an uns selbst und unsere Wirksamkeit. Wir erliegen der pessimistischen Suggestion der Massenmedien, wir könnten nichts ausrichten gegen die großen Verbrecherschweinekonzerne dieser Welt.

Die einen sagen, das System müsse sich ändern, sonst ändere sich auch der Einzelne nicht.

Die Systemträger ruhen sich derweil auf dem Einzelnen aus, dem ja eh alles am Arsch vorbeigeht … Diese Argumentation führt letztlich zu nichts.

Die Wahrheit ist: Auch du bist ein kleiner Teil eines riesigen Netzwerkes, in dem alles mit allem zusammenhängt. Auch du darfst dich trauen, in Zusammenhängen zu denken. Auch du hast dich damals mit 15 eher ernst genommen als heute.

Du meinst, du hast eben deine Naivität aufgegeben? Pustekuchen! Du hast aufgehört, deinen Handlungsspielraum wahrzunehmen und ruhst dich faul in deiner mentalen Komfortzone aus.

Und dann gibt’s in unserer Gesellschaft noch ein anderes großes Problem …

Fehlende Mütterlichkeit

In Der Lilith Komplex* beweist Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz, dass fehlende Mütterlichkeit in unserer Gesellschaft unsere Beziehungen, unsere Kindererziehung und damit auch unser gesellschaftliches Zusammenleben negativ beeinflusst.

(Lies genaueres in diesem Artikel: Hör auf, eine „gute Mutter“ sein zu wollen)

Mehr Mütterlichkeit in der Gesellschaft geht uns alle an und ist kein Problem nur eines Geschlechtes. Psychosoziale Prävention ist die wichtigste und effektivste Investition in die Zukunft.

Maaz, S. 198.

In Zusammenhängen denken

Das heißt: Deine eigenen psychischen Probleme sind über eine Kette verschiedener Problemfelder die Ursache für Korruption, Umweltzerstörung und Krieg.

Klingt überzogen? Heißt aber im Einzelnen das:

Du trägst ein psychisches Problem in dir. Vielleicht schlechtes Selbstbewusstsein und fehlende Selbstliebe. Du wirst Mutter und gibst das in irgendeiner Form an dein Kind weiter – egal, wie du dich dagegen zu wehren versuchst.

(Erfahre hier den wissenschaftlichen Hintergrund dazu: Erziehung und Trauma und Erziehung und Unterbewusstsein)

Da es nicht nur dir, sondern in unserer gestörten Gesellschaft allen Eltern, Erziehern und Lehrern so geht, werden psychische Defizite in Kindertagesstätten, an Schulen, in Universitäten verstärkt, sodass ein Heer aus psychisch angeknacksten jungen Leuten entsteht, die durch Konsum (Ersatzbefriedigung), Gewalt, Egoismus und Rücksichtslosigkeit das kranke, zerstörerische System tragen und vertiefen.

Bei sich selbst anfangen

Sich selbst zu reflektieren und seine Kinder heil wachsen zu lassen, ist der Schlüssel zu einer besseren Gesellschaft.

Das heißt, sich für mehr Mütterlichkeit in der Gesellschaft einzusetzen. Es heißt, bei seinen Kindern auf Beziehung statt Erziehung zu setzen.

Die Orientierung an den Bedürfnissen der Kinder würde unsere Kultur revolutionär verändern […].

Maaz, S. 199.

Alles hängt mit allem zusammen.

Wenn du zu deinen eigenen Gefühlen stehst und mit deinem Kind zu wachsen bereit bist, kannst du dich also fast schon als politischen Widerstandskämpfer betrachten.

Dem globalen Ausgeliefertsein, dem begrenzten Einfluß auf politische Macht, der unauflösbaren Abhängigkeit von […] sozialen Verhältnissen setze ich die Freiheit und Verantwortlichkeit des Individuums entgegen, dem eigenen und fremden Elend „mütterlich“ zu begegnen, was durch persönliche Begegnungen, durch Zuhören, durch Einfühlen und Verstehen-Wollen und durch zugelassenen Gefühlsausdruck gewährleistet werden kann. Jeder mütterliche Akt verbessert die bestehenden Verhältnisse und lindert das Elend der Welt.

Maaz, S. 200.

Sei ein kleines Samenschirmchen … mit großer Wirkung. ♥

Was soll die Pusteblume im Logo?

Eines Abends schließt sich mit der untergehenden Sonne die Blüte des Löwenzahns. Wenn er sich wieder öffnet, hat er sich in eine fragile Pusteblume verwandelt. Ein einziger ihrer Samen reicht aus, um – völlig unterschätzt – den spießigen Garten des Nachbarn in ein riesiges gelbes Blütenmeer zu verwandeln. Vom winzigen, schwebenden Schirmchen zum unausrottbaren Löwenzahn.

Dieser Blog ist das weltfremde Schirmchen. Du kannst ihn für naiv halten, für überheblich, eben für weltfremd.

Er kann dich aber auch motivieren, deine eigene Kraft, deinen Handlungsspielraum anzuerkennen, die Bedeutung deiner Kinder zu begreifen.

Er kann der Anstoß sein, dich zu reflektieren und damit bei dir selbst anzufangen, die Gesellschaft zu verbessern.

Fang doch gleich an – sei ein Schirmchen, lies weltfremd und wachse.

Herzliche Grüße

Anne

PS: Teilen ist gut fürs Karma. Ein Samenschirmchen kommt schließlich auch beim Löwenzahn selten allein. Also URL kopieren und ab geht’s!

Ich bin Anne, leidenschaftliche Onlinejournalistin und immerfort lernende Mutter zweier Kleinkinder. Süchtig nach anspruchsvollen Büchern und mit einer Schwäche für ausgezeichneten Schwarztee. Auf meinem Blog WELTFREMD setze ich mich für mehr Mütterlichkeit und eine wärmere Gesellschaft ein. ♥

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